Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 267 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber manche durch den Fortschritt der Medicin im Judenthum rc. 267 seilt mag und der Heilkunde gemäß auch sein muß, indem ich mich als praktischer Wundarzt entschieden darüber zu erklären habe. Zwar habe ich schon in meinem bei Ludwig Schreck in Leipzig in zwei Auflagen erschienenen Schriftchen „die Beschneidung der Israeliten und ihreNachbehanlung" mich S. 21 über die Gefährlichkeit dieses Actes bei der Beschneidung und der Nothwendigkeit ihn zu unterlassen bereits ausgesprochen, und diese meine Ansicht dort durch Erfahrung und auf der Wissenschaft beruhende Gründe entwickelt; da aber dieses Schriftchen nicht so allgemein bekannt und unter Israel so verbreitet sein dürfte als Ihre Zeitschrift, so muß ich freilich, selbst auf die Gefahr hin, bereits Gesagtes zu wiederholen, hierauf einige dort angeführte Gründe zurückkommen. Die meisten Geschichtsquellen-Forscher stimmen darin überein, daß die Meziza in der Zeit vor Maimonides nicht gekannt war, folglich als ein ursprünglich von der Religion gebotener Act nicht zu betrachten sei. Einige wollen zwar den Gebrauch der Meziza dem Talmud vindtciren, doch hierüber steht mir als Laie in diesem Fache kein Urtheil zu, und nur sä voeem Religionsgebot erwähne ich dieß, um diejenigen Beschneider zu beruhigen, die beim Unterlassender Meziza religiöse Scrupel finden möchten und ihnen darzuthun, daß die Stimmenmehrheit die Meziza als „von der Religion nicht geboten" ansieht *. Kann man nun die Meziza als von Maimonides eingeführt be- - trachten, so bleibt nur noch übrig, das „Warum" zu erörtern. Er selbst führt an („lack Hachsaka, hilchot Mila Perek I."), damit kein Blut in der Wunde zurückbleibe und dadurch eine Gefahr (Entzündung) entstehe n»v kis*’ sO>ia ■ns (Maimonides 1.1. c. 2. §. 2.). So sehr man nun den Maimonides als den gelehrtesten Arzt seiner Zeit betrachten muß, so scheint er doch weder die in der neuern Zeit bekannten blutstillenden Mittel, noch die Anwendung der Kälte zum Blutstillen gekannt, noch viel weniger aber physiologische Kenntnisse genug besessen zu haben, um zu wissen, daß gerade durch dieses Saugen die Blutung weit eher vermehrt als beseitigt wird, da dem Naturgesetze zufolge jede Flüssigkeit dem Saugepunkte zustießen muß. Terquem in seiner Schrift „die Beschneidung" hypothestrt , als sei der emsig forschende, aufmerksam beobachtende Maimonides zu der Idee des Aussaugens der Wunde durch das fast instinctmäßige Saugen, sobald wir uns z. B. eine Schnittwunde an einem Finger beigebracht haben, gelangt; aber welch' ein Unterschied zwischen einer solchen Schnittwunde, wy es nur darauf ankommt, die durch den Schnitt sich gebildeten Wundränder an einander zu bringen, um durch schnelle Vereinigung zu heilen, und zwischen einer durch * Ueber die hier und in dem folgenden Gutachten vorgetragene» Meinungen vgl. weiter. F. 20*