Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 264 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Noten zum Texte. ein gedankenloser Unglaube gegen gedankenloses Glaube n, mit der nicht beneidenswerthen Zugabe einer' Selbstgefälligkeit, die sich überredete, die Religion sei nur für den Pöbel, d. h. für alle diejenigen, die noch der alten Ueberzeugung treu geblieben waren, nicht für die Auserwählten, d. h. sie selbst. Das war leider das traurige Er-. gebniß, das der Geist (sit venia verbo), der im Volke Israel zu romoren begann, geliefert hat. Gehen Ideen in's Volk, so ist ihr Schicksal selten ein anderes als das der Ideen Mendelssohn's in seiner Schule; sie erfahren das Loos, das, nach der Vorstellung einer uralten heidnischen Schöpfungslehre, die Geister überall erfahren haben: sie wurden immer trüber, immer dicker, immer irdischer, bis sie sich in einem groben Thon verkörpert hatten; so entstand die Materie! — Auch müssen wir uns daran erinnern, daß es nicht sowohl der Geist M en delssohn's war, der in seine Schule und, vermittelst dieser, in das Volk überging: sondern ein ganz anderer, früherer, der von England und Frankreich her als ein Geist der Freidenkerei, der Libertinage, wie er sich nennen ließ, über den Mendelssohn'schen hinweg rumvrte und heutigen Tages Haus bei Haus seinen Spuk treibt. Der größte Theil unserer Relkgionsgenossenschaft in Deutschland, so weit er auf Bildung Anspruch macht, ist eine Inkarnation des En c y klop ad r st e ngeistes, nur verzerrt und ohne den bon goftt französischer Amabilitat. Aus diesem gebildeten Gesindel ist die Unzahl der Abtrünnigen und Renegaten hervorgegangen, die, besonders in großen Städten, ganze Gemeinden bilden könnten, und unter dem Namen: getaufter Juden inmitten der Christen wirklich social zu bilden scheinen, da die letzteren mehr auf ihre Urenkel als sie selbst rechnen. Und jetzt schnell zum letzten Punkt, der 14) v o n d e r m u st er H a ften Uebersetzung der heiligen Schrift redet. Hier muß vor Allem auf die Differenz aufmerksam gemacht werden, welche in Beziehung auf den Zweck, den beideUebersetzungen, die Lutherische und die Mendelssohn'sche, verfolgten, obwaltet. Luther wollte dem Volke die Bibel, die ihm der katholische Clerus durch Sprache und Verbot genommen hatte, wieder in die Hand geben; dem Juden sollte sie durch Mendelssohn nur in einer reineren Sprache übergeben werden.' Hier war mithin ein ganz anderer Zweck; dort sollte dem Volk eine alte Religion, hier eine neue Bildung zugänglich gemacht werden. Beide Zwecke wurden erreicht; allein der letztere nur zu gut, und dergestalt, daß man sich gewaltig überstürzte und über die Grenze, dieM. Mendelssohn im Äuge hatte, unendlich weit hinausrannte. Oder ist es etwa nicht wahr, daß man neben dem Mendelssohn'- schen negativen Grundsätze: „daß das Judenthum keine geof-