Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 259 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Note« jttttt Texte. L5S seitdem man eS aüfgegeben hat, die Wahrheiten einer Religion mit den Ehren und Schätzen dieser Welt zu verstärken und den Zweifel daran mit Feuer und Schwert zu bestrafen? Oder thut dieß nicht noch heute ein Glaube, der sich die Wahrheit selbst und die Religion der Liebe nennt? Berechne» wir dieß und bedenken wir, daß die Religion der Liebe ihre Wahrheiten mit der rohen Gewalt der Henker verfocht und daß Tod und Verbannung ihre letzten Gründe waren, ohne die sie ihre Wahrheit und Existenz gefährdet glaubte, daß sie also nicht bloß die Dissenters aus schlo ß , sondern sie ehemals verbrannte oder nach der Mildesten Form in Knechtschaft brachte, der Heimath und ihrer Güter beraubte; so wird es klar, was unser Mendelssohn damit sagen wollte, daß die Kirche kein Recht zum Ausschließen der Dissenters und die Synagoge keins zur Kirchenzucht hatten Doch beinahe hätten wir uns im Eifer der Debatte verleiten lassen, in denselben Fehler zu verfallen, in den der Verfasser des Textes gerathen ist: Ungleiches als Gleiches neben einander zu stellen. Hier kann esinderThatheißen: opposita juxta se posita magis elucescunt,—das Ausschließen der Kirche, und die Synagogenzucht! Wir haben gesehen, was jenes einfache Ausschließen für complicirte Rebennccidentien in sich schloß. Eine Synagoge würde diese Nebensachen nur dann mit ihrem Ausschließen verbinden können, wenn sie gleichzeitig eine Staatskirche wäre und über die Güter dieser Erde zu sagen hätte. Ihr Ausschließen Diffentirender würde nicht mehr bedeuten als den Act, der eine natürliche Folge einer vorangegangenen freiwilligen Lossagung von ihrem Principe bezeichnet. Jede Gemeinschaft, sie sei von welcher Art sie wolle, ist eines Zweckes halber gestiftet und hat in ihm ihren wesentlichen Lebenspunkt. Wer sich mit diesem einverstanden fühlt, und mithin in der Gemeinschaft geistig mitlebt, der ist ein Mitglied derselben; über auch nur dieser, und dieser nur so lange, als er dieß Princip zu dem seinigen macht. Sobald dieß in ihm aufhört, ist er nicht mehr Mitglied dieser Gemeinde; er hat ein neues Centrum angenommen und lebt in einer anderen Sphäre. Ist dieß nun nur sein Geheimnis, so kann er es damit halten, wie er will, und wie fein Gewissen es ihm gebietet. Der Gewissenhafte — das ist ausgemacht — wird aus seinem Herzen keine Mördergrube und aus seinem Heiligsten keine Lüge machen, und am allerwenigsten dann den innerlichen Abfall durch eine äußerliche Aussonderung in's Gleichgewicht bringen, wenn er seinen Erwerb daraus zieht; der Gewissenlose wird sich anders verhalten: er wird fortfahren, stch's gut sein zu lassen bei den Seinen, von denen er heimlich wahrhaft getrennt ist, wie der Getaufte noch gerne am Sonnabende mit seinen früheren Glaubensbrüdern fürlieb zu neh-