Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 7 (Juli 1845)
- Date
- 1845-07-01
- Page
- Seite 257 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Noten ytm Texte. 257 Recht zu hassm und zu fürchten hatte. Dieß ist nicht der geringsteMelstein in der Krone des Ruhmes, die sein hohes Streben ihm auf die Schläfe mit dem Zeichen der Unsterblichkeit gedrückt hat! M. Mendelssohn, der sonst ängstlich-schüchterne Israelit, erhebt sich bei der mindesten Gefährdung seiner freien Forschung durch äußern Zwang in seinem Jerusalem zu einem Glaubenshelden von riesiger-Gestalt gegen den Erzphilister mit seiner Gefangennahme der Vernunft, mit seiner Verdumpfung unter dem hölzernen Joche eines Ureäo quia absurdum* eines öden Brütens in der Zwangsjacke beschworner Dogmen. Da wird er mit Eins in der Praxis ein vollendeter Israelit, ganz erfüllt von dem Bewußtsein seines hohen Berufes zum Streite für seine göttliche Ehre, für die Freiheit, für sie, in der er sich Eins mit dem Heiligen Israels empfand und erkannte. Nun freilich! in einem Kampfe dieser Art mag es leicht geschehen, daß man die Sachen etwas über ihre Grenzen hinaustreibt. Welcher Redliche weiß sich rein von solchen Fehlern, und von Fehlern, die ihren Grund in einer hohen Tugend haben? Das ist ein Ueberfluß an Begeisterung, wo in der Hitze des Gefechtes das Schwert etwas zu weit ausholt, und der Kämpfer sich verhauen kann, wie man sagt. Daß Mendels soh n keine octroyrte Dogmatik dem Judenthume aufdrängen lassen wollte, daß er hiermit seinen Unterschied von jenen Bekenntnissen, die nur durch eine von außen herkommende Gewalt zu bestehen vermögen, festhalten wollte: dafür wollen wir ihm unfern Dank, und für den Muth, mit dem er dieß gethan, unsere Bewunderung zollen. Aber zugleich uns wohl hüten vor schiefen Folgerungen aus jenen in seinem Jerusalem aufgestellten Marimen und diese nicht mißverstehen. Dieß war damals in der Ordnung; anders verhält es sich jetzt. Wir haben uns vor solchen Eindringlingen kaum mehr zu fürchten, seitdem man sich auch da allenthalben bekämpft, von wo aus ihr Eindringen zu fürchten stand. Die Trennung zwischen Staat und Kirche, welche der Unseren Einer vor reichlich einem halben Jahrhunderte zuerst mit Entschiedenheit zu fordern wagte, war kein Geringes! Diese Kühnheit hat unserem Weltweisen den ehrenvollsten Beifall eines Kant erworben, der doch sonst „kein Freund von Helden unserer Nation zu sein" sich äußerte. Jetzt ist die Forderung Mendelssohns die ganzer Nationen geworden! Er war es, der an die Spitze jener geistigen Umwälzung in unserem Vaterlande sich stellte und eine neue Aera der Gesittung mit herbeiführen half. Die „re ligiöseDenkfreihei t" war das Palladium Mendelssohn's, weil es das des Judenthums von seinem Anbeginne an war und noch ist. Was dagegen.strebt, ist feindselige Gewalt, ist Verrath