Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 237 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2744856-2744869-2744876--0662-2745612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- Allgemeine theologische Bibliographie. 237 Worten.. Zuerst richtet Vers, seinen Blick auf die Entstehung dieser Bestrebungen. — Obgleich, wie wir offen gestehen, eine richtige Einsicht und Würdigung der Geschichte der Juden und des Judenthums in den letzten 60 Jahren, seit Lessing, Dohm und Mendelssohn bis auf unsre Tage herab, — eine unparteiische Beurtheilung desjenigen, was in diesem Zeiträume von beiden Seiten her, von der starrorthodoren und der ultramodernen, unterlassen und begangen wurde, wodurch das Judenthum dem Niveau der Zeit sich entrücken mußte, wohl den besten und sichersten Aufschluß über jene Erscheinungen gibt und jedem unbefangenen Beobachter, ohne Prophet zu sein, Voraussagen ließ, daß es beim ersten besten äußern Anlässe so kommen werde wie es gekommen ist, gleitet Vers, über die großartige Bewegung, welche Europa seit einem halben Jahrhundert durchzuckte und natürlich auch die Juden nicht unberührt lassen konnte, ganz hinweg und findet (wie manche Schriftsteller die Ursachen der französischen Revolution in dem strengen Winter des Jahres 1780 und ähnlichen Zufällen) die Veranlassung der gerügten Reformbestrebungen scheinbar blos in dem Zusammentreffen dreier Elemente, die sich jetzt in der jüdischen Gemeinde zu Berlin befinden. Erstlich sei es Mangel an Kenntniß des Judenthums, zweitens Haß gegen das sogenannte talmudische Judenthum, vorzüglich von denen angeregt, die ihre früheste Jugendzeit ausschließlich mit dem Talmud sich zu beschäftigen genöthigt waren und dadurch, bei späterer Annahme deutscher Sitte und Bildung, einen Widerwillen gegen alles Rabbinische und Talmudische in sich aufkeimen ließen, und drittens Emanckpationsfucht; welchen drei Bestandtheilen allein das Streben nach Reformen und Neuerungen zuzuschreiben sei. —- So sehr wir auch den Hrn. Verf. persönlich achten und sonst seine literarischen Ansichten.ehren, müssen wir ihn doch darauf aufmerksam machen, daß hier weiter ausznholen war und das nicht blos hie und da, sondern allgemein — selbst in conservativgesinnten Kreisen — sich kundgebende Sehnen nach Umgestaltungen und Verbesserungen nicht zu ignoriren gewesen wäre. Geben wir auch zu, daß die oben bezeichneten 3 Elemente und deren Zusammentreffen zufällig die nächste Veranlassung zur öffentlichen Manifestirung der Reformidee gewesen sein mögen, so können wir doch nicht ableugnen, daß, wie eben angedeutet, auch in der größer« Masse der deutschen Juden, und gerade derjenigen, die es mit der Religion und den Ceremonialgesetzen aufrichtig meinen und die des Wissens nicht so ganz baar sind, wie sie der Verf. S. 7. schildert, das Bewußtsein hervortritt, daß es im Judenthume i n allen Stücken nicht mehr so bleiben könne, wie es bisher war! — Ist doch auch die innere und äußexeLage des jüdischen Volks jetzt eine solche, wie sie seit zwei Jahrtausenden nicht war. Im Innern: hohe Intelligenz, Künste und Wissenschaften, allgemeine Bildung, wahrend unsre Vorvater blos jüdisches Wissen kannten und das rvw npsrt moa mehr als buchstäblich befolg-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.