Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 236 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Tagesbegebenheiteu. Auf unsere Anfrage im Januarheft.S. 25,,hüten wir aus Baiern, daß die dortigen Rabbiner während der Zeit des Bestehens der Ordre der Kniebeugung gar nichts gethan haben und von ihrer Seite keine Vorstellung bei der Ktaatsregierung gemacht worden ist. Wir können unser Bedauern, das jeder für den väterlichen Glauben Beseelte mit uns theilen wird, nicht genug ausdrücken. Stand auch ein günstiger Erfolg nicht in Aussicht, so war matt doch der Religion eine solche Demonstration schuldig, mußten die Rabbinen, die alten und die neuen, bekunden, daß ihre Religionsanstchten sich dagegen sträuben: mußten sie um ihrer selbst willen den Schein der Feigheit, den ein solches Stillschweigen auf sie wirft, von sich entfernen. Hat inan von einer Seite den Muth, den Streit wegen eines Minhag oder der Einführung eines Chores bis vor das höchste Tribunal zu bringen und Ministerialrescripte und Commissionen zu veranlassen, warum gebricht es an Eifer für die heiligsten »Interessen des Glaubens? Fühlt man sich von der andern Seite gedrungen, für Licht und Fortschritt zu kämpfen und gegen, wie man sagt, Veraltetes in die Schranken zu treten, warum regte nicht das Göttliche und Hohe, die religiöse'Freiheit solche Begeisterung an? Es wird oft die Ueberzeugung angeführt, die den Muth gibt, inneren Kämpfen Trotz zu bieten; so bewahrheite sie sich denn vor Allem, indem man gegen außen auftritt und an den Tag legt, daß man nicht nur gegen eine oft nur schwache Partei , sondern auch gegen Macht und Gewalt sich stark fühlt. Wie würden unsere Väter, wie würden die alten Rabbinen in solchem Falle gehandelt haben! — Es ist zwar dem Fernstehenden leicht, zu behaupten, daß der Rabbiner eher den Verlust seiner Stelle als solchen Religionseingriff ertragen müsse; aber ein Schweigen aus ängstlicher Furcht ist jedenfalls sehr betrübend. Allgemeine theologische Bibliographie. Woher? und Wohin? Zur Verständigung über jüdische Reform-Bestrebungen. Von Br. D. Cassel. Berlin 1845. Im Verlage bei Ludwig Hold. 845. S. Der gelehrte Hr. Verf., welcher durch frühere schriftstellerische Arbeiten und Unternehmungen im Gebiete der jüd. Literatur bereits vortheilhast bekannt ist, versucht es hier die Genesis und die Tendenz der neuerlich, nach Analogie der deutsch-katholischen Vereine, zu Berlin und fast gleichzeitig zu Breslau entstandenen Vereinigungen, eine Reform im Judenthume durch Berufung einer Synode zu bewerkstelligen, mit scharfen Zügen darzustellen und dem Urtheile des größeren jüdischen und christlichen Publikums, „welches den Bewegungen innerhalb des Judenthums'ferner stehet/' zu überant-