Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 235 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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TagesbegebenheLLen. m Breslauer-Aufrufe zur Reform prinoiplos Md, indem ersterer mchjts Positives als das Wort: „positive Religion" enthält, letzterer aber sich mit Bestimmtheit von Gesetzen tossagt, deren Aufgeben mir dem positiven Glauben an die Schrift sich nicht Vereinbaren laßt, so darf man, da der Aufruf nicht von Theologen ausgegangen, nicht so streng rechten und muß hoffen, daß die Reform, wenn sie zu Stande kommt, vielleicht einen besseren Character annehmen wird. So sehr wir übrigens solchen willkürlichen Reformen abgeneigt sind, müssen wir doch wenigstens das Interesse, welches die Reformfreunde am Zudenthume zeigen, dem leidigen Zndifferentismus vorziehen. Daß die Breslauer Reformfreunde den Rath, eine Denkschrift gn die Rabbinerversammlung zu richten, abgelehnt, kann ihnen nur zum Lote gereichen. Im Bewußtsein, daß ihre Reform von äußeren Umständen und von ihren subjektiven Ansichten ausgehend zu weit schreite, UM sich gesetzlich legitimiren zu können, und die Aufgabe der Rabbiner, den Glauben vor Willkür zu schützen, würdigend zögen sie es vor, auf eigene Hand zu reformiren. Rur können wir in diesem Falle nicht begreifen, wie wir das Verlangen nach dem SonNtagsgöttesdienste deuten sollen. Wollen sie die Sabbatseier auf Sonntag verlegen, wer Hindert sie, es frei auszusprechen, da sie nach der Billigung der Rabbiner Nicht fragen? Wollen sie aber nur ihr religiöses Vedürfniß befriedigen, so wäre es doch wahrlich viel ehrenwerther und bekundete ihren frommen Willen, wenn sie sich entschlössen, am Sonnabend wenigstens eine oder zwei Stunden dem Geschäftsleben abzubrechen , um ste zu ihrer Erbauung zu weihen. Dann könnten sie wenigstens von sich singen: ,Zer Geist ist willig, doch düs arme Menschenherz ist schwach". Oder ergreifen sie hieß Mittel, um langsam den Sabbat auf den Sonntag hinüber zu leiten? das widerspräche ja ganz „ dem edlen Muthe und der lobenswerten freien Aussprache der achtbaren Männer". - B5. * * * Die ,D. A. Z. poin 15« Mai berichtet, daß die Juden in Potsdam den .dortigen Deutsch-Katholiken ihren Tempel zu ihren Versammlungen offerirten, den diese aber „begreiflich ablehnten". Die Ablehnung finden wir allerdings sehr begreiflich; in dem Anerbieten aber konnten wir nur Etwas finden, für welche wir kein genug bezeichnendes Wort haben. Wenn solche Acte von Generosität Vorkommen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn „jüdische Zudringlichkeit" zum Sprichworte wird.- 35. * * * 18*