Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 233 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Tage-begebenheite». 233 Tagesbegebenheiten. Es gehört einmal zu den englischen Whims, das Geld auf Erkaufung jüdischer Proselyten auszugeben und das schwere Pfund in die Leihbank der Judenbekehrer, die nach ihrem besten Wissen und Gewissen darüber walten, niederzulegen. Daß solche Unternehmungen nicht auf allgemeine Billigung des englischen Volkes rechnen können, beweist ein Auszug aus dem?uneh or the London Charivari, den wir v. Jahrgang S. 163 mittheilten. Aber Alt- England hat nun einmal seine Spleen und seine Besonderheiten, bei denen aber doch immer eine gewisse Biederkeit des Charakters durchleuchtet,' dem es im Grunde nicht um Beeinträchtigung anderer Conftssionen zu thun ist. Es muß daher sehr bedauert werden, daß, wenn die englischen Missionäre den Boden Britanniens verlassen, Manches anders wird. Dieser Gedanke erwachte von Neuem in uns durch die diese Tage uns zu Händen gekommenen „Blätter für Israels Gegenwart und Zukunft, Monatschrift für Besprechung religiöser und socialer Zustände der Juden von Rev. R. Bellson, Prediger in Berlin." Man erwartet nach dem Titel eine ruhige Besprechung der jüdischen Zustande, religiöse Beleuchtung, sei es auch im pietistischen Sinne, der konfessionellen Controverspunkte; aber was wird geboten? Anschwärzung der Wissenschaft und sie vertretender Männer, Aufforderung an den Staat, den Juden in seinem Rechte zu schmälern. Das Vorwort denuncirt Geiger, daß er den alten Kobez : Wikkuchim edirte, „eine Schrift, die eine Ausgeburt des schmuzigsten Lügengeistes ist, der je eristirt hat". Diese Monatschrift zeigt wenigstens, daß jenem der Superlativ nicht zu vindiciren sei; der Koder >ViKkuehim bringt Schreiben aus dem vierzehnten Jahrhundert, diese „Blätter" sind Produkte eines rever. BerlinerPredigersimJ. 1845, der in einem sonderbaren Wahrheitsgeiste neue Judenverfolgungen anzettelnmöchte. Mit einem Triumphlacheln über die neueren Bestrebungen, die den Verfall der Synagoge bezeugen sollen, spricht der Verfasser in frommer Salbungaus, daß man zu Hülfe kommen muffe —wem? dem Juden? Nein, dem Christenthume, das durch die Nichtglaubigkeit der Juden Schaden zu nehmen drohet. „Der christliche Gnadenact (!) erstreckt sich noch nicht so weit, daß der Staat die Juden auch in seine Beamtenwelt ausgenommen, und so sucht der junge jüdische Gelehrte eine Privatanstellung und haben sich die Juden der politischen Presse bemächtigt, ist ihnen ferner gestattet Aerzte zu sein , ist also der größte Theil des leiblichen und intellektuellen Heiles der christlichen Nation in den Händen der Juden, und kann es befremdend erscheinen, daß der Staat auf diese eigenthümlichen Verhältnisse noch nicht sein Auge gerichtet hat." Man flehet, welche noble Tendenz der Herausgeber verfolgt; und ist er der Besorgniß, auch er werde von der Presse, „über die die Herrschaft der Juden Frankel, Zeitschrift U. 18