Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 232 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Nachbemerkung des Herausgebers- Ausüben des Glaubens. Hier liegt also ein religiöses Sehnen zu Grunde: diese ideale Selbstständigkeit hat, nach ihrer Tiefe erfaßt, einen hohen Werth; das Verlangen nach ihr übt Eindruck auf das religiöse Gefühl und soll daher als Idee festgehalten werden wie der Wunsch, daß das Laster schwinde und die reine Erkenntniß sich allgemein verbreite. Auch hier ist die Realisirung in einer weiten, vielleicht nie zu erreichenden Entfernung zu suchen; aber wir nehmen in ihm den Ausfluß eines göttlichen uns selbst erhebenden und für Tugend begeisternden Gefühles wahr.— Wie sehr übrigens viele unserer Brüder dieser Hoffnung selbst nach ihrer irdischen Fassung bedürfen, mögen die erschütternden Berichte, die wir aus einem großen nordischen Reiche über das Schicksal unserer Glaubensgenossen vernehmen , darthun. Wollen wir denn jede Verbindungskette mit diesen zerreißen, soll das Religionsband mit ihnen aufgelöst sein, sollen wir durch unser deutsches Leben und unsere deutsche Bildung die Leidensbrüder vergessen, sie ganz aus unserm Herzen verbannen, vergessen, weil sie sich nicht zu unserer Höhe erheben, daß sie unserm Glauben angehören, für unfern Glauben leiden? Und bleiben wir nur bei Deutschland stehen, an dessen jüdische Glaubensgenossen der Aufruf gerichtet ist: blickt man auf manche seiner südlichen Theile, so wird man gestehen, daß daselbst die Bitte um ein irdisches Messiasreich noch immer „mit wahrhaftem Munde" ausgesprochen werden kann, und ein solches Verlangen nicht mehr Unrecht sei als eine Auswanderung nach Nordamerika, weil zu Hause nur der älteste Sohn heirathen darf und die anderen Söhne zum Cölibat verdammt sind; oder weil Judensteuern und Schutzjudenschaft und Beschränkung der Familiennummern und andere Erclusivgesetze den Muth und das höhere Gefühl in den Staub treten. Diese und andere Bedenken stiegen in dem Unterzeichneten bei Durchlesung des Aufrufes auf. Herr S. hak einen bedeutenden Theil derselben durch obige gehalt- und gesinnungsvolle Erklärung beseitigt, und ist vielleicht der Unterz., da der Herr Verf. sich so häufig auf ihn beruft (wobei mitunter eine Beachtung des Zusammenhanges der angeführten Stellen zu wünschen gewesen wäre), zu einem Urtheile incompetent, so scheint doch die Annahme nicht falsch, daß so sich der. Verein mit dieser Erklärung einverstanden erklärt, Viele mit demselben ausgesöhnt und seiner Tendenz Gerechtigkeit widerfahren lassen werden. F.