Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 228 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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228 Offenes Schreiben an den Herrn RedacLeur dieser Zeitschrift. Aufruf gebildet hat, kann ich das Zutreffen dieses Ausspruchs schon vollkommen bestätigen; und je mehr wir mit einander uns verständigen, um so mehr tritt die Ruhe und die Mäßigung, aber auch die Einigkeit in dem Verfolgen unseres Zweckes hervor, um so entschiedener befestigt sich aber auch in uns die Ueberzeugung, daß eine Reform, ein Fortschritt dringend nothwendig sei und wir die heilige Pflicht haben, mit Aufopferung aller Rücksichten mitzuwirken bei diesem Hochheiligen Werke, wenn wir nicht Verrath begehen wollen an uns, an unseren Kindern und den Geschlechtern, die nach uns kommen und in der ererbten Religion, im Judenthume, Seelenruhe und Befriedigung der heiligsten Bedürfnisse finden sollen. Wie dürften wir daher zweifeln, daß nicht in einer Synode sich ein gleich erfreuliches Resultat Herausstellen wird, daß nicht vielmehr, wie beiuns, dieAnfangs fast extrem auseinandergehenden Ansichten, durch die hohe Idee getragen,- sich vereinigen und in Einigkeit den rechten gemäßigten Fortschritt erwirken werden. „Eine Synode" spreche ich wieder mit Ihnen, „sei sie auch nur von den Gemeinden Deutschlands durch „freie vom Volke ausgehende Wahlen beschickt, würde doch wohl die „Meinung des Volkes aussprechen, das sich gewiß nicht im Sinne „Achabö und seiner Zeitgenossen äußern wird , Ich habe es mir in diesem Schreiben zur Aufgabe gemacht, das was wir wollen, so viel es gegenwärtig bereits möglich ist, klar und bestimmt auszusprechen, unfern Aufruf gegen den redlich gemeinten Zweifel in Schutz zu nehmen, vorzugsweise aber unsere Uebereinstimmung mit Ihrer Ansicht von der Reform nachzuweisen. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß noch nie ein Reformversuch mehr Ihren eignen, öffentlich dargelegten Grundsätzen entsprochen hat oder je entsprechen wird. Ich rufe daher auch noch mit Ihren Worten den Zögernden wie den Eifernden zu, die einen Zwiespalt absichtlich oder unbewußt Hervorrufen: „Der „naive Glaube kann, wenn er auch seiner Natur nach der Reflexion kein „Recht zugestehet und seine Rechtfertigung in sich selbst findet, doch von „dem Vorwurfe eines frommen Egoismus nicht freigesprochen wer- „den. Ihn befriedigt und beseligt seine Thätigkeit, aber er kann sich „nicht verhehlen, daß nicht Jedermann diese Befriedigung in ihr finde; „er kann sich ferner nicht verbergen, daß in dieser Thätigkeit Manches „unwesentlich sei, und dessenAufgeben den Glauben kaum scheinbar ver- „letze. Und ist es ihm auch lieb geworden, wird ihm durch den Ausfall „manche Lücke Zurückbleiben, muß dieses Opfer nicht der höhern Pflicht, „das Judenthum unfern Kindern und Kindeskindern zu * Zeitschr. 1845. S. 181.