Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 227 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Offenes Schreiben an de» Herr» Redactenr dieser Zeitschrift. 227 Wahrheit hie falschen Anklagen und Verdächtigungen und die damit hervorgerufenen Vorurtheile verscheucht und entkräftet haben wird, Wohlwollen und Mithülfe zu finden. Gewiß ist es auch eine würdige Aufgabe der Presse, mitzuwirken, daß dieser wichtige Schritt in der angemessensten Weise geschehe, und wir geben Uns der Hoffnung hin, daß vorzugsweise die dem Judenthume gewidmeten Organe, namentlich auch diese Zeitschrift und deren Herr Herausgeber sich dabei betheiligen und ihre Meinung über die verschiedenen angeregten Punkte aussprechen werden. Besonders wichtig wird auch die Frage sein, da die Synode nicht übereilt werden darf, uns daher noch ein weiter Zeitraum von unserm Ziele trennt, wie inzwischen das zu einer That^drangende Verlangen nach gemeinschaftlichem Wirken, nach einer Lebensäußerung unserer Verbrüderung zu befriedigen ist: ob vielleicht ein religiöses Zusammentreten, ein gemeinschaftlicher Gottesdienst, wenn auch nur provisorisch in's Leben gerufen, das Band bilden soll, das uns fester und fester - mit unserer Idee verknüpft, oder ob, was theoretisch wohl den Vorzug verdienen möchte, auch hier die Beschlüsse der Synode erst erwartet werden müssen und ein Anderes sich ausfinden läßt, den Sinn und die Begeisterung für unfern Plan lebendig zu erhalten. Die zweite Frage: Wie wird die Synode wirken? kann natürlich jetzt noch weniger als die erste ihre Erledigung finden. So viel scheint aber gewiß, daß, je mehr sich dieUeberzeugung geltend machen wird, daß wir von einem echten, einem unabweisbaren, aus dem eigensten Bedürfniß des Judenthums selbst hervorgegangenen Streben beseelt sind, um so weniger irgend ein Mann von Charakter und von wahrer Liebe für das Judenthum sich der Wahl, die ihn trifft, zu entziehen suchen wird. Es scheint gewiß, daß die Synode nur in der allergemäßigtsten Weise fortschreiten werde, so sehr auch Einzelne und vielleicht sogar die Mehrheit für eine spätere Zeit eine durchgreifendere Reform wünschenswerth halten möchten. „Mögen auch," spreche ich übrigens mit Ihnen und wende es sowohl auf die Synode selbst als auch auf die Genossenschaft an, die sich zur Berufung derselben gebildet, „Mögen auch in sol- „cher Versammlung manche ercentrische Ansichten hervortreten, mögen „auch Manche, der Gegenwart zu viel einräumend, die Zerstörung als „Fortschritt ansehen, in der Bekämpfung und Herabwürdigung der geheiligtsten Formen die Aufgabe der Jetztzeit erblicken und dort anfangen, „wo das Judenthum aufhören und der Glaube sich selbst aufgeben wür- „de: so können auch solche vorgebrachte Aeußerungen der Zweckmäßigkeit „der Versammlung nicht Abbruch thun." In Bezug auf die Ansichten und die Gestaltung der Tendenz in dem Kreise, der sich hier um unfern * Zeltschr. 1844. S. 91.