Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 225 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2744856-2744869-2744876--0650-2745600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Offenes Schreiben an den Herrn Redacteur dieser Zeitschrift. 225 und das gewissenhafteste Eingehen auf Ansprüche der Religion wie auf Zustand und Bedürfniß der derselben Angehörigen, ergeben soll. So weit sich aber ein gemäßigter Fortschritt entschieden aussprechen.läßt, glauben wir es gethan zu haben. Wir sagen: „Wir „wollen: Glaube; wir wollen: positive Religion; wir wollen: Juden- „thum. Wir halten fest an dem Geist der heiligen Schrift, die wir als „ein Zeugniß göttlicher Offenbarung anerkennen, von welcher der Geist „unserer Väter erleuchtet wurde. Wir halten fest an Allem, was zu „einer wahrhaften, im Geiste unserer Religion wurzelnden Gottesvereh- „rung gehört. Wir halten fest an der Ueberzeugung, daß die Gotteslehre „des Judenthums die ewig wahre sei, und an der Verheißung, daß diese „Gotteserkenntniß dereinst zum Eigenthume der gesammten Menschheit „werden wird." Durch diese Erklärung scheint mir ganz klar und bestimmt jedem Zweifel vorgebeugt zu sein, ob wir überhaupt praktische Gebote beibehalten wollen. Wenn wir aber sortfahren, daß wir die heilige Schrift auffassen wollen nach ihrem göttlichen Geiste, daß wir nicht mehr unsere göttliche Freiheit der Zwingherrschaft des todtenBuchstaben opfern können, und daß wir einen Codex nicht als unveränderliches Gesetzbuch anerkennen, der das Wesen und die Aufgabe des Judenthums bestehen läßt im unnachsichtlichen Festhalten an Formen und Vorschriften, die einer längst vergangenen und für immer verschwundenen Zeit ihren Ursprung verdanken, so finde ich dieselbe Idee von Ihnen im Maihefte der Zeitschrift (1845. S. 179) ausgesprochen: „Die Mischna „wurde abgeschlossen; dasselbe geschah später mit den talmudischen Auto- „ren, und so verkörperte sich das Judenthum in Buchstaben und ent- „stand unabweichbare Autorität. Durch die durch Wissenschaft und Bil- „dung wiedererlangte Geistesfreiheit mögen wir versuchen, diese nach- „theilige Folge abzuwenden: die schriftliche Abfassung sei nicht der Ab- „schluß, die unübersteigbare Mauer, an der sich jede Meinungsfreiheit „breche re." Derselbe Gedanke hat uns bei der angeführten Erklärung geleitet. Wir sind weit davon entfernt, uns vom Talmud los sagen zu wollen; wir haben desselben nicht einmal erwähnt, und erkennen den edlen Kern des rabbinischen Judenthums gern und freudig an. Wir vindiciren gerade aus dem talmudischen Princip der Fortbildung auch für uns das Recht, mit dem Geiste der Wissenschaft das Judenthum wieder lebendig zu machen; und wir sind ganz mit Ihnen einverstanden, daß unser Wirken in so reiner ehrfurchtsvoller Auffassung der Schrift geschehen muß, wie es bei unseren talmudischen Autoren der Fall war. Ich glaube hiermit unseren Aufruf, wenigstens in Ihren Augen und vor denjenigen, welche unbefangen prüfen und nicht von vorn herein das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.