Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 224 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Offenes Schreiben an den Herrn Redacieur dieser Zeitschrift. fallen bestimmt. Die Versammlung war jedoch einstimmig anderer Meinung, sie bestand auf Beibehaltung dieser Erklärung. Und es läßt sich nicht läugnen, daß auch dieser Ausspruch den Glauben, wie er nun einmal in uns vorhanden ist, nicht aber ein Thun oder Lassen, betrifft, und daß er zur Ergänzung des Frühern, worin wir der Verheißung erwähnen, daß unsere Gotteserkenntniß dereinst zum Eigenthume der gesammten Menschheit werden wird, nothwendig erscheint. Und daß der Glaube in Bezug auf den Messiasglauben sich so gestaltet, gereicht uns dieß zum Vorwurf? Haben wir nicht unsere Vorgänger unter den hochgestelltesten Lehrern des Judenthums, selbst unter den Autoren des Talmuds? Und darf ich mich nicht auch auf Ihren Ausspruch berufen: „Das Leben stößt Manches im Laufe der Zeit zurück: und es „wäre ein vergeblicher Versuch dem Volke das aufzudringen, was es zu- „rückweiset. DerGesammtwille giebt den Ausschlag dort wo er behalten „will und stehet über Schule und Autorität rc.*?" Stet,, dieß war ein Ausdruck des Gesammtwillens oder vielmehr des vorhandenen Glaubens in unserm kleinen Kreise. Er machte sich geltend, sicher aber als einBedürfniß sich auszusprechen und nicht als eine „Becomplimentirung gegen den Staat," die wir bei anderen Gelegenheiten und überall als unwürdig entschieden zurückgewiesen haben. Was die Unbestimmtheit oder gar den Widerspruch betrifft, die man in unserem Aufrufe finden will, so muß ich darauf aufmerksam machen, daß jedes gemäßigte Forkschreiten unbestimmt oder sich widersprechend erscheinen kann oder muß, — ohne es wirklich zu sein. Sie dürfen nur Ihre eignen Schriften betrachten, die der gemäßigten Reform das Wort sprechen, und Sie werden dasselbe bemerken können. Es kann nicht anders sein. Denn es ist nothwendig, nachdem ein Princip deS Fortschritts ausgesprochen, eS wieder zu m ä ß i g e n durch eine Einschränkung, die leicht wieder als ein Rückschritt erscheinen kann. In der That ist es aber nicht so, sondern aus beiden Momenten resultirt der gemäßigte Fortschritt. Wer vorwärts strebt, muß zugleich sich zügeln, daß der ungehemmte Lauf nicht zum Sturze führe. Und so verhält es sich auch mit unserm Aufrufe, was bei aufmerksamer Betrachtung gewiß nicht entgehen kann, und gerade ein Argument mehr sein muß, daß wir im „gemäßigten Fortschritte" stehen. Erscheint doch schon der Begriff: „Mäßigen" als ein dem Begriff: „Fortschreiten" entgegenwirkender. Erst das Resultat kann das Bestimmte, das Product des Fortschritts mit der Mäßigung, enthalten. Von vorn herein sind diese beiden Begriffe die Faktoren, aus denen sich das Facit erst durch die Rechnung, d.. h. hier durch unser zukünftiges Wirken, durch die gründlichste Forschung * Zeitschr. 1844. S. 21.