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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 223

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 223 (sequence 25)
Language
German
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Offenes Schreiben an de» He:rn Redaeteur dieser Zeitschrift. 223 land gleich mit dem ersten Schritte unserer kleinen Versammlung, mit dem Aufrufe zur Verbrüderung und eben zur Aussprache der verschiedenen Meinungen im Volke, durch anticipirte Feststellung derselben, vorzugreifen. Und ist es nicht unbillig, von dem kaum aus dem Erdboden aufschießenden grünen Reis gleich die fertige Entwickelung des ganzen Baumes zu verlangen? Bedarfes nicht der Zeit und der in derselben wachsenden Lebenskraft, daß die Gestaltung aus dem ersten Wollen sich allmälig entwickele und die Frucht langsam heranreife! Wer darf so stürmisch sein, in dem ersten Erwachen eines auftauchenden Lebens gleich die fertige Frucht sehen und vielleicht gar genießen zu wollen? - Es genügt, daß der Keim die Elemente des künftigen Baumes in sich enthalte, zurErscheinung darf er erst künftig kommen, nach-allmälig, naturgemäß erlangter Kraft, wenn er von Bestand, von Dauer sein soll. Daher war es ganz in der Ordnung, daß wir nur den Glauben, der gemeinsam in uns lebt und die künftige Reform entwickeln und tragen soll, nach seinen äußersten Grenzen offen bekannten. Sollten andere sonst Gleichgesinnte hierin von uns abweichen, so ist'ja damit keine Norm aufgestellt, wir haben nur bekundet, was uns zur Reform drängt, und nirgend ist ausgesprochen, daß zum Anschlüsse an unsere Bestrebung die Unterschrift zu unserem Aufrufe erforderlich sei. Jeder ist uns vielmehr willkommen, der nur das gleiche Ziel mit uns im Auge hat und es ist uns erwünscht, daß jede sich bildende Gemeinde oder Genossenschaft ihr Bedürfnis in ihrer Weise, unabhängig von der unserigen, ausspreche. Gerade aus der Thatsache, daß positive und negative Bestimmungen im Entwürfe, welche die äußere Erscheinung des Glaubens, das Thun und Lassen, betreffen, sowohl in unserer Versammlung wie auch in Breslau und früher iu Betreff der Frankfurter Anregung, in größeren Kreisen wenig Anerkennung fanden, geht hervor, wie wenig Einzelne die erforderliche Autorität besitzen, selbst Festsetzungen zu machen, daß vielmehr nur eine Synode, eine Versammlung von dem Volke Bevollmächtigter und Berufener, geeignet ist, ihre Wirksamkeit auf das Leben auszudehnen und daß nur von einem solchen Mittelpunkte die Ausstrahlung einer lebendigen Schöpfung, eines erleuchtenden und lauternden Lichtes der göttlichen Wahrheit in alle Theile des Judenthums, nicht aber von einzelnen Punkten in der Peripherie ausgehen kann und darf. Ich Habe unfern Aufruf noch gegen den Vorwurf, daß wir des Messiasglauben erwähnt, so wie, gegen den Vorwurf der Unbestimmtheit zu rechtfertigen. Was den ersteren betrifft, so war der Passus: Wir können nicht mehr beten um ein irdisches Messiasreich rc., als jede positive wie negative Bestimmung verworfen wurde, gleichfalls auszu-

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