Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 222 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 Offenes Schreiben an den Herrn Redacteur dieser Zeitschrift. Ansichten im Judenthume (sofern sie nur noch im Judenthum stehen) in sich aufnehmen und mit ihrer Lebenskraft zu einer einheitlichen Frucht verarbeite» wird; und das Ziel der Vereinigung muß eben das sein, durch äußerste Beschränkung der Grenzen das Resultat zu erzeugen, das als neue Gestaltung des Judenthums mit allen Einzelnheiten im Thun und Lassen schon durch den organischen Proceß, der bis zu dieser Reift - durchgemacht worden, die freie Anerkennung, die Liebe und die treue Ausübung, zunächst innerhalb unserer Vereinigung, und in Zukunft mit Gottes Hülfe der ganzen Judenheit (vorerst ilt Deuschland) erhalten wird. Es wäre nach meinem Dafürhalten ein Mißgriff gewesen, mit einer speeiellen Basis anzufangen. Dieselbe ist fester und sicherer, wenn sie in unserer Entwickelung erst gewonnen wird, sich selbst als uothwendig herauöstellt. Und verdienen nicht auch die Kinder der Zeit Berücksichtigung (s. Ihre Zeitschrift 1845. Machest. Seite 174), „welche an- „fängt ihre Schmerzen zu fühlen, zum Bewußtsein gelangt, daß sie erkrankt sei, wo der Ruf nach Glaube, nach positiver Religion gehört „wird; ein Aufzucken, ein Lichtstrahl nach langer düsterer Nacht;" und, wie Sie hinzufügen, „so verworren noch dieser Ruf ist, so sehr sich noch „demGlauben entgegengesetzte Elemente darein mischen, es ist ein reli- „giöses Sehnen, ein Wiedererwachen, eine Anerkennung, daß man zu „einem positiven Judenthum zurückkommen müsse." Sollten wir dieß religiöse Sehnen gleich zurückstoßen und es nicht vielmehr zu uns heranziehen und zu der Ausführung im Leben ermuthigen und mit unö verbinden? Kann es ferner ein Vorwurf sein, daß wir nicht specieller angegeben, was wir als Positives betrachten und welche praktischen Gebote wir beibehalten wollen? Die ursprüngliche Fassung des Aufrufs enthielt positive Bestimmungen, die Beibehaltung der Beschneidung, die Feier des Sabbat und der Festtage; aber ein richtiger Tact der größern Versammlung, in welcher über den Aufruf discutirt und derselbe ln seiner jetzigen Gestalt angenommen wurde, bestimmte die Weglassung dieser Erklärungen, keineswegs, weil die Sache angegriffen wurde, welche unter uns vielmehr allgemeine Billigung fand, sondern weil es in dem Aufrufe ungehörig erscheint. Selbst abgesehen davon, daß wir in unserem gedrängten Aufruf nicht alles Positive aufnehmen konnten, das wir erhalten zu sehen wünschen, daß aber die Angabe einzelner Momente zu der falschen Voraussetzung berechtigt oder wenigstens verleitet haben würde, daß wir alles Andere 'verwerfen möchten, wäre jeder Ausspruch in Bezug auf Gebote und Verböte ein Eingriff gewesen in unsere künftige Wirksamkeit; wir waren nicht berechtigt, weder der Synode noch der großen Zahl Gleichgesinnter in ganz Deutsch-