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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 221

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 221 (sequence 23)
Language
German
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Offenes Schreiben an den Herrn Redacteur dieser Zeitschrift. 221. der Religion. Aus dem Glauben kann daher auch nur unser religiöser Wille hervorgehen und jedes religiöse Thun ohne den Glauben ist etwas Werkheiliges, Werthloses, das unser religiöses Gefühl abstumpst, das uns daher nicht besser, sondern schlechter, nicht empfänglicher, sondern unempfänglicher für heilige, für göttliche Regungen macht. Daher ist es auch nach meinem Dafürhalten der Glaube des Volks, der die Grundlage des Fortschritts im Judenthume bilden muß nnd nur allein bilden kann, der Glaube des Volks, des echten Volks nämlich, welches sowohl die wahrhaft Gebildeten wie die redlichen, wahrhaften Naturmenschen in sich begreift, und dem nur Diejenigen nicht angehören, deren ursprüngliche reine Natur und Anschauung, sei es durch Afterbildung (welche in der Mode, nicht der wahrhaften Zeitentwickelung wurzelt), oder durch einen zur Sklaverei ausgearteten Gewohnheitszwang verdorben ist. Daher ist es auch, richtig aufgefaßt, völlig begründet und keineswegs destructiver Tendenz, wenn unser Aufruf sagt, daß die Gebote, die wir beobachten sollen, einen geistigen Halt in uns haben müssen. Dieser geistige Halt ist nichts Anderes als der feste, innige Glaube unserer Seele, welcher allein unser Thun, die Ausübung religiöser Vorschriften und Gebräuche heiligen, ihm Werth verleihen kann. Dies führt mich auf den weitern Inhalt unseres Aufrufs. Wir haben es zur Bezeichnung unseres Standpunktes einer gemäßigten Fortschritts-Partei für nothwendig gehalten, das Bekenntniß unseres Glaubens nach seiner äußersten positiven wie nach seiner äußersten negativen Grenze auözusprechen, wodurch eben nur die ganz außerhalb des Judenthums Stehenden einerseits und die jedem religiösen Fortschritt feindlich Gesinnten, welche das Heil nur im Festhalten alles Ueberkommenen erblicken, andrerseits ausgeschlossen und vor späterer Täuschung bewahrt werden sollen. Daß aber die Grenzen des Aufrufs zu weit gehalten sind und er daher ein „Zu viel" in der Reform nicht auszuschließen scheine, kann kein Vorwurf für ihn sein, da es darauf ankam, zunächst nur eine Vereinigung in den weitesten Kreisen zu veranlassen, und nur deshalb die entferntesten Grenzen zu bezeichnen, damit auch von vorn herein die Vereinigung nicht ganz farblos und ein Zusammenhalten und Zusammenbleiben bei Verfolgung unseres Zieles möglich sei. Das fernere Streben der Vereinigung muß eben dahin gerichtet sein, schon vor der Synode und mit der Synode die Grenzen immer mehr zu verengern: durch reifliche Prüfung und Erforschung sowohl des GesammtwillenS im Volke als des Gegebenen und der Quellen unserer Religion, so wie durch Austausch der Ideen, durch allmäliges Aufgehen der noch abweichenden Richtungen in dem wachsenden organischen Leben der Vereinigung, welche als ein Ganzes, Wachsendes, Lebendiges die verschiedenen

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