Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 219 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Offenes Schreiben an den Herrn Redacteur dieser Zeitschrift. 219 Offenes Schreiben an dm Herrn Aedacteur dieser Zeitschrift. Sie erwähnen in dem Machest dieser Zeitschrift des von Berlin ausgegangenen Aufrufs „an unsere deutschen Gaubensgenossen" und bemerken dabei: „Eine weitere Erklärung dieses in seiner jetzigen Fassung unklaren Aufrufs wäre wünschenswerth." Es fei mir, Hochgeehrter Herr! vergönnt, Hiermit Ihrer Aufforderung zu entsprechen, da wir uns nirgend scheuen, ehrlich und bestimmt aufzutreten, vielmehr gern die Gelegenheit wahrnehmen, bereits vielfach verbreitete Jrrthümer und Verläumdungen über unsere Tendenz öffentlich zurückzuweisen. Ich gehöre der Bewegung, deren erstes Lebenszeichen jener Aufruf gewesen ist, seit ihrem Beginne an, habe ihren bisherigen Gang genau beobachtet, und glaube nicht allein meine persönliche Ansicht, sondern im Wesentlichen die der großen Mehrzahl derjenigen Glaubensgenossen, welche sich in Berlin um den Aufruf geschaart haben, in dem Nachfolgenden auszusprechen. . Ich werde dabei vorzugsweise den Gesichtspunkt in's Auge fassen, durch einen Vergleich der von Ihnen vertretenen Theorie einer Reform mit unserem Auftreten daffelbe zu beleuchten und näher zu entwickeln. Es wäre hier der unpassendste Ort, die Frage aufzuwerfen, ob das Judenthum einer Reform bedürfe; denn diese Zeitschrift hat es sich feit ihrem Erscheinen zur Lebens-Aufgabe gemacht, „das Princtp der Fork- „bildung, wie es im Judenthume involvirt ist, aufzufinden," sie hat sich zum Losungswort den Ruf gemäßigte Reform gewählt, welche sich von der „zerstörenden, niederreißenden Reform" wie von der „starren Orthodoxie," welche das Heil in dem „unabweichbaren Halten am Ueberkommenen" erblickt, gleichweit entfernt halten soll*. Es fragt sich daher nur: 1) Auf welchem Standpunkte stehen wir, die wir den Berliner Aufruf erlassen haben? Ich antworte: Auf demselben Standpunkte, den Sie als den gemäßigten bezeichnen, von welchem allein eine heilsame Reform ausgehen könne. Ich erlaube mir, mich Ihrer eignen Worte zur Bezeichnung unserer Stellung zu bedienen. Wir vertreten und wollen vertreten jene „in der Mitte zwischen den „sog. Gebildeten, welche dem Glauben entfremdet sind, und der starren „Orthodoxie stehende selbst in Deutschland noch große Mehrheit, die „noch einen tiefen religiösen Kern zurückbehalten, in der eine tiefe Em- „pfänglichkeit für Religion und ein inniges Halten an dem Glauben „ihrer Väter lebt: und die nichts destoweniger nicht der Bildung ent- „fremdet ist, die die veränderte Denk- und Anschauungsweise auch in * S. Prospekt, und Zeitschrift, 1844. S.5, 12,27; 1845. S. 180. 17 *