Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 218 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Anforderungen des Glaubens ,c. Wunsche und verkapptem Emancipationsschwindel, zwischen ernsten Bestrebungen und äffischer Nachbeterei; hat er als Gesetzkundiger die Pflicht sowohl in einzelnen rituellen Anfragen Auskunft zu ertheilen, als allgemeine Zeitfragen im Interesse und im Sinne des Judenthums zu lösen; zu unterscheiden zwischen ewigem, göttlichem Gesetze und historischem Anwachse und zu bestimmen, wie weit im Interesse des Glaubens den Wünschen der Zeit nachgegeben, wie weit ste abgewiesen werden müssen. Hierzu bedarf es einer gründlichen Kenntniß des Talmuds, und eines durch fleißiges Studium derselben von Jugend auf gewonnenen sichern Tactes in der Auffassung talmudischer Abhandlungen; und dies um so mehr, da man sich wir billig nicht auf Compendien stützen, sondern überall selbst sehen und selbstständig entscheiden will. Wurde in der vorigen Zeit, wo man sich weniger zutraute, und meist den nachtalmudischen Autoritäten folgte, gründliches Wissen dem Vielwiffen im Talmud vorgezogen, so ist ersteres in unserer Zeit, wo der Rabbine auf eigenen Füßen stehen will und muß, um so nöthiger, wenn wir auch auf Letzteres verzichten. Gründliche talmudische Kenntniß ist ein Haupterforderniß für den Rabbinen. Er muß ganze talmudische Materien im Zusammenhänge mit wissenschaftlicher Schärfe zu behandeln, scheinbare Widersprüche zu lösen, Trugschlüsse zu entwirren geübt sein. Wir haben daher gar nicht Ursache die talmudischen Hebungen des Scharfsinnes (bisl-ö) zu verspotten, wenn wir sie nur nicht als Selbstzweck, sondern als Propädeutik gebrauchen. Wir wollen hier nicht untersuchen, wie viel Fehler mancher reformatorische Rabbine hätte vermeiden können, wenn er den Autoren des Talmuds in dem Maße ebenbürtig wäre, als er ihnen feind ist. Folgen wir unseren Vorfahren, die nicht minder bet dem Rabbinen auf Wissenschaftlichkeit und ausgebreitete Kenntniß drangen, besonders aber auf die Wissenschaft des Judenthums bedacht waren, und lehrten Synhedrin 17a: ö^ssttja tfw*i B^siaa Asa naan Asa «bu ‘'“Wissa ■psnc» ‘px „Man nimmt in das Synhedrium nur Männer von Gelehrsamkeit auf, Männer, die Lug und Trug zu enthüllen verstehn und sprachkundig sind." Freilich schlossen ste in n»an ‘Asa nicht die jüdische Wissenschaft aus, und begriffen unter ■psA twauj auch die hebräische Sprache. Ferner heißt es daselbst von der erforderlichen Gründlichkeit in der Gesetzesdeutung rninn •py-mn rm ahoi sw sis ‘i'innsoa pa^ma ■px, aber nicht wie Manche vielleicht vermeinen y-«B "intsaia •w. vr. W. Landau.