Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 217 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Anforderungen des Glaubens ,c. 217 nur das erwähnen, was wir nicht genug beachtet glauben, und das allgemein Anerkannte auf sich beruhen lassen. Der Rabbine hat die Aufgabe, das Judenthum den Klippen der verschiedenen Religionsanschauungen und destruktiven Philosopheme, so wie den äußern Hindernissen der Zeit gegenüber bei den Erwachsenen in lebendiger Frische zu erhalten und die Jugend für dasselbe zu gewinnen. Jenes soll er durch erbauende Predigten, belehrende religiöse Vortrage, und dieses durch Betheiligung an der religiösen Erziehung und Bildung der Jugend bewirken. Mit Recht fordert man daher, daß der Rabbine die Gabe der Beredsamkeit besitze, die Bildung seiner Zeit in sich ausgenommen und pädagogische Kenntniß gesammelt habe; aber man kann sich keineswegs damit befriedigen. Soll der Rabbine seiner Aufgabe genügen, so muß er nicht nur schön, sondern besonders gründlich, nicht allgemein sondern auf positivem jüdisch religiösem Boden sich mit überzeugender Rede bewegen können; er muß nicht nur die Zeitbildung, sondern ganz besonders sein Judenthum und dessen Geschichte in sich ausgenommen, dessen Stellung zur Zeitbildung und dessen Aufgabe erkannt, sich durch fleißiges Studium der Schrift und des Talmudseine jüdisch - religionsphilosophische Bildung, nicht aus eigenem genialen Geiste, sondern aus den Duellen des Judenthums erworben haben, damit er sich nicht vom Zeitstrome fortreißen lasse, vielmehr seine Gemeinde mit kundigem Blicke und geschickter Leitung vor den Sandbänken des flachen Deismus und dem wild brausenden Strudel der blinden Reformwuth vorbei den sichern Weg des vernünftigen Glaubens führe, mit der Leuchte der religiösen Aufklärung und Hindernisse übersteigenden Begeisterung. Da ferner die Basis seiner Belehrung und Erbauung die h. Schrift und die Schätze rabbinischer Weisheit sind, so wird natürlich eine gründliche Kenntniß der hebräischen Sprache und des rabbinischen Idioms eine unerläßliche Bedingung sein, welcher um so besser entsprochen wird, je vollkommener diese Kenntniß durch das Studium der verwandten Sprachen ist. Daher foflte weniger auf die sogenannten classischen Sprachen als auf die semitischen Gewicht gelegt werden; weniger auf die Vertrautheit mit griechischer und römischer Literatur als auf genaue Kenntniß der Bibel und deren exegetischen und dogmatischen Bearbeitungen gesehen werden.. Während aber der Rabbine als Wächter der Religionswahrheiten auf der Höhe der Zeit mit der Leuchte der Wissenschaft stehend alle Windungen und Krümmungen des Zeitgeistes, alle Künste einer trügerischen, zeitgemäß sich nennenden, auflösendenDialektik beobachten, begreifen und nach innen und außen bekämpfen und unterscheiden muß zwischen scheinbarem und wirklichem Bedürfnisse, zwischen religiösem Frankel, Zeitschrift II. 17