Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 216 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Anforderungen des Glaubens >c. phie der Zeit galt für den höchsten Grad von Gelehrsamkeit und Geschmack, und je mehr diese Eigenschaften von den gewvhnten altväterlichen Anstchten und der cornipten deutschen Sprache der damaligen Rabbinen abstachen, mit um so größerer Vehemenz wurde den Altrabbinen der Rücken zugewendet und an der Stelle der jüdischen Wissenschaft das deutsche Wort angestrebt. Jener Zeit verdanken wir manche awas nss ans •)•’» nm, die im breiten Redeflüsse nach modern christlichem Zuschnitte ihren Gemeinden die altmodische Begeisterung für jüdische Gebräuche und Sitten mehr ausredeten als einflößten. Doch in dem Maße als gründlichere deutsche Durchbildung zunahm, fühlte man sich mit der Wohlredenheit weniger befriedigt und verlangte wissenschaftliche Bildung, obgleich man sich von dieser noch keine Rechenschaft zu geben wußte. Der Rabbine sollte studirt, die Universität besucht haben und — Doctor sein. Von eigentlich rabbinischer Wissenschaft verlangten die auf der Höhe der Zeit sich Dünkenden nichts, und diese hätte sich wohl ganz verloren, wenn nicht die Orthodoxen noch bei den Wahlen darauf gedrungen hätten. Es war die Doctorwuth, und wer sich durch irgend welche Mittel das moderne Prädikat beizulegen wußte, war eo ipso Rabbiner, ungefähr wie in Polen jeder vootor nolens vvlens lma titulirt wird, und sollte er auch seinen eigenen Titel nicht verstehen. An dieser Doctorwuth laboriren wir noch heute, und es fehlt nicht an Exemplaren, die bei ihrer Anstellung trotz des Doctorhuts und Rabbinenkäppchens nicht einmal mit Sicherheit ihren Gemeinden den Text hebräisch lesen konnten, und heute ganz erbaulich zu den Reformliedern den Tact schlagen. Aber bei alledem können wir nicht verkennen, daß die Forderung allgemein wissenschaftlicher Bildung der Rabbinen immer ein Fortschritt gegen die Rednerperiode ist, und daß, sobald einmal das Anstaunen der neuen deutsch-wissenschaftlichen Bildung aufhören wird, die Beachtung der besondern rabbinischcn Wissenschaft zu verdrängen, das Beispiel Derjenigen, die ohne Anregung der Gemeinden und ohne geeignete Anstalten, durch eignen Trieb und richtigen Tact, sich neben allgemeiner Wissenschaft die rabbinische anzueignen wußten, zur Norm durchdringen, das unklare oft einseitige wissenschaftliche Streben in ein bestimmtes, zweckmäßiges verwandeln und die Errichtung geeigneter Institute herbeiführen wird. Daß dies recht bald geschehe, ist um so wünschenswerther, da zu befürchten steht, daß in unserer reformsüchtigen Zeit aus Mangel an Durchdringung und rechter Auffassung des rabbinischcn Judenthums theoretische Fehler sich in praktische umgestalten und verewigen könnten. Daher dürfte es nicht überflüssig sein zu erörtern, worin die Anforderungen der theologischen Wissenschaft an den Rabbinen bestehen. Doch werden wir, um nicht weitläufig zu werden,