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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 210

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 210 (sequence 12)
Language
German
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210 Die amtliche Stellung des Rabbinen ic. Meist nur von den Gemeinden selbst abhängig, begegnet ihre Thätigkeit überall den schwierigsten Hindernissen; und wenn auch in der Provinz Posen die Regierung die Rabbinen bestätigt (ohne sie deßwegen anzuerkennen), und ihre schwankende Stellung in etwas sichert, so muß es jeden Ehrenmann anekeln und beschämen, statt der stillen Macht der Lehre und des Beispiels äußerliche Gewalt anzuwenden. Es läßt sich sehr gut und bequem von Mitten der Residenz, in aller Freiheit des intellectuellen und religiösen Lebens von der Nnthätigkeit, ja auch Scheinheiligkeit der Rabbinen in einem Städtchen Posen's oder Preußens u. s. w. reden; ein kleiner Versuch an Ort u. Stelle würde bald eines Bessern belehren. In 7 Provinzen kaum eben so viel nene Rabbinen; in Posen unter fast 100 in Orthodoxie ergrauten Rabbinen zwei der neuen Richtung zugethane junge Männer, deren Thätigkeit vollauf in Anspruch genommen sein muß, wenn sie ihre moralische Existenz der gewaltigen Uebermacht, die in ihnen ihre natürlichen Feinde erblickt, behaupten wollen. Und wenn auch nicht, warum sollte man es ihnen verdenken, wenn sie nicht mit roher Hand in die heiligsten Interessen des Volkes eingreifen, selbst wenn sie können; wenn sie es versuchen, leise und milde den tausendjährigen Rost abzulösen, um nicht den Kern selbst mit zu verwunden; wenn sie endlich sogar in Manchem, was anderweitig in wilder Hast abgerissen worden, noch eine frisch pulsirende Lebensader erblicken, und nicht sogleich mit dem trennenden Messer bei der Hand sind? Es versteht sich von selbst, daß wir diese Betrachtungen nicht an die faktische Thätigkeit der jetzigen neuen Rabbinen in Preußen — man würde uns ganz mißverstehen, wollte man uns Hervorhebung oderZurückdrängung von Persönlichkeiten unterschieben —, sondern an das, was von ihnen geleistet werden konnte, anlehnen. Gesetzt auch, die Gesinnungen aller dieser Rabbinen wären lauter und edel, ihre Bestrebungen nach einheitlichen Principien eingerichtet u. s. w., so könnte man eben nach den obwaltenden Verhältnissen noch wenig erwarten. Wenn nun aber gar — und die Möglichkeit dazu ist doch vorhanden — auch unter diesen wenigen Halbbildung, Scheinheiligkeit, pfäffisches Wesen und Verkennung ihres Standpunktes sich zeigen, und von den wenigen Kräften noch aufzehren, welcher Gewissenhafte möchte sich überhaupt da erlauben, schon über die Thätigkeit des neuen Rabbinenthums abzuurtheilen? Der muß sich wahrlich eine tiefe und erfahrungsreiche Kenntniß des neuen religiösen Lebensbaumes zutrauen, der aus einigen mit dem ersten Frühlingshauche leise anschießenden Blüthen schon im Voraus den ganzen Ertrag berechnen wollte, der schon berechnen wollte, ob. es nicht besser sei, den Baum umzuhauen und als Brennholz zu verbrauchen. — Und haben denn auch diejenigen, welche mit ihrem Ur-

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