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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 209

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 209 (sequence 11)
Language
German
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Die amtliche Stellung des Rabbinen m. 209 theils in den Händen der Rabbinen und wird sich in einer kommenden Generation fast nur darin befinden; allgemein anerkannt aber ist es, daß zu einer Fortbildung des Judenthum's die Kenntniß jener Schriften unentbehrlich ist. Dieß Verhältniß der Rabbinen zu der kommenden Entwickelung des Judenthum's ist es denn auch, das zu den verschiedensten Resultaten über die Rabbinen selbst führt. Daß die Strenggläubigen, denen ihr ängstlich bewahrtes Gut täglich mehr aus den Händen schlüpft, das hereinbrechende Verderbniß den neuen Rabbinen zuschreiben, kann man füglich mit Stillschweigen übergehen, da jede Widerlegnng überflüssig ist. Beachtenswerther ist hier für uns der Vorwurf, den die Männer des Fortschrittes, oder richtiger des Sprunges, den neuen Rabbinen machen, der Vorwurf, daß sie nichts geleistet haben, ja daß sie nichts leisten wollen, daß sie grade in Anerkennung des Bestehenden ihren Stand gesichert sehen, daß sie gern das Judenthum in die Ketten einer neuen Dogmatik einschnüren wollen, um ihrem „geistlichen Stande" die gehörige Unterlage zu geben. Und daher die Sicherheitsmaßregeln, die der Entwurf gegen sie zu ergreifen sich veranlaßt sieht. Wenn einerseits durch die oben angedeutete Veränderung in der Stellung des Rabbinen diese Befürchtung eine Begründung zu finven scheint, so ist doch auch wieder nicht zu übersehen, daß grade von der Seite aus, die man die konservative zu nennen pflegt, auf die eigentliche Befugniß des Rabbinen zu wiederholten Malen hingedeutet worden. Um aber den ganzen Vorwurf gehörig zu-würdigen, wollen wir doch auf die Zustände selbst eingehen, und sehen, wo die neuen Rabbinen sind und was sie geleistet haben im Verhältniß zu dem was sie leisten konnten. Wir beschränken aber unsere Betrachtung vorläufig nur auf den östlichen Theil der preußischen Monarchie, weil nur für diese die obenberegten Cultusperhältnisse stattfinden. Hier begegnet man nun der sonderbaren Erscheinung, daß weil im Volke jetzt so ziemlich die Nothwendigkeit gebildeter Rabbinen anerkannt ist, man glaubt, es wären deren schon recht viele da, und die Verwunderung, daß von diesen noch gar nichts geschehen sei, scheint gerechtfertigt. Fragt man aber genauer nach, so ergiebt sich, daß es in den sieben Provinzen: Brandenburg, Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Posen, Schlesien und Sachsen noch nicht 8 wissenschaftlich gebildete Rabbinen gibt, und hierunter noch mehre, deren Anerkennung als Rabbinen sehr zweifelhaft, also deren Wirksamkeit sehr gehemmt ist. Daneben gibt es in manchen Orten „Prediger", die man füglich eintheilen kann in solche, die hebräisch lesen können, und in solche, die es nicht können. — Man sehe sich jetzt nach der Stellung um, welche diesen Rabbinen durch die Verhältnisse der Gegenwart angewiesen worden.

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