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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-06-01 · 6 (Juni 1845) · p. Seite 205

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
6 (Juni 1845)
Date
1845-06-01
Page
Seite 205 (sequence 7)
Language
German
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Die amtliche Stellung des Rabbinen k. 205 essen vorstanden, also ungefähr jenen hervorragenden jüdischen Gelehrten und Lehrern (der vulgäre Sprachgebrauch nennt jeden älteren jüdischen Autor „Rabbiner") glichen, weil ferner die christliche Geistlichkeit besonders im Mittelalter auf einer sehr tiefen Stufe der Sittlichkeit stand, weil sie das Volk in Unwissenheit und Aberglauben zu erhalten suchte, um desto besser im Geheim ihren Lüsten fröhnen zu können, darum weiß, wer sonst den Rabbinen Feind ist, ihnen nicht besser zu thun, als wenn er sie auch Pfaffen nennt, mit völliger Verkennung der wesentlichsten Unterschiede zwischen beiden Stellungen. Der Rabbiner war durch keine Prärogative bevorzugt; die früher auch höchst einfache Ordination (rprab) hatte längst aufgehört; von besonderen Gelübden war keine Rede, von Sqcramenten hat das Judenthum keinen Begriff: alle Funktionen des Rabbinen konnten gültiger Weise von Jedem ausgeführt werden. Während das Pfaffenthum den Laien das Lesen der Bibel verbot, befahl das Judenthum und in dessen Namen die Rabbinen Jedem, fortwährend das Gesetz zu studiren, trugen sie das ganze Leben in dasselbe hinein. Kurz, was der Mann war, das war er durch sich selbst. Freilich waren die Rabbinen aller Zeiten eben nur Männer ihrer Zeit; sie waren Fanatiker, wenn ihre Zeit fanatisch war, wie es auch heute noch da Fanatiker geben kann, wo es das Volk ist. Wenn sie das Leben mit einer stets neuen Masse von Ceremonieen beluden, über deren Werth oder Unwerth für die damalige und die heutige Zeit wir hier nicht zu richten haben, so thaten sie es aus tief innerster Ueberzeugung, auf die vorangegangenen Autoritäten gestützt, und sie selbst waren diejenigen, die jene Lasten am bereitwilligsten auf sich nahmen. Man glaubt alles abgemacht zu haben, wenn man die Finsterniß früherer Zeiten dem Einflüsse obscuranter Rabbinen zuschreibt; aber wer hat die Rabbinen anerkannt? wer ihren Worten gehorcht? wer ihre Befehle ausgeführt? Wie so oft wurde und wird nicht heute'noch der Rabbine von der Stimme des Volkes, das gewöhnlich noch eine Stufe höher auf der Leiter des Aberglaubens und des Fanatismus stand, bestimmt. Und wenn das nicht war, so stand der Rabbine eben in der Zeit selbst, und wenige nur ragten aus der finstern Tiefe so riesenhaft hervor, daß sie von dem fernen Lichte einen Blick erhaschten. Und wenn Salomo b. Aderet im 13. Jahrhunderte nach langem Sträuben einen Bann gegen das Studium der griechischen Philosophie vor dem 30. Lebensjahre erläßt, so findet er eine beachtenswerthe Parallele an der theologischen Fakultät der pariser Universität, die noch im sechszehnten Jahrhunderte vor dem Parlamente erklärte, daß es um die Religion geschehen sein würde, wenn der Staat das Studium des Griechischen und des Hebräischen (d. der beiden Sprachen, in denen die kanoni-

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