Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 6 (Juni 1845)
- Date
- 1845-06-01
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die amtliche Stellung des Rabbinem rc. 203 heit der preußischen Juden für alle Zeit lähmen könnten. Hierbei ist jedoch vor allen Dingen zu fragen,' welches Gebiet der religiösen Anschauungen die gedachten Erklärungen betreffen würden. Es scheint uns, als ob der Staat als solcher sich um die Glaubensmeinungen der ihm Angehörigen nur in so fern zu kümmern habe, als sie das Verhältniß des Jndividui zur Gesammtheit betreffen. Wenn der Staat die Ileberzeugung gewonnen hat, daß in den Religionsansichten seiner Mitglieder nichts liegt, was der Grundidee des Staates zuwider ist, so hat er diese Religion anzuerkennen und den Bekennern derselben gleichen Antheil am Genüsse der staatlichen Berechtigungen zuzugestehen; hat er aber die Ileberzeugung erlangt , daß die Religionsansichten einiger Angehörigen mit der Grundidee nicht übereinstimmen, so ist es feine Pflicht, dergleichen Glieder als dem Ganzen schädlich zu entfernen. Aehnlicher Art waren z. B. die Fragen, die dem französischen Sanhedrin vorgelegt wurden. Weiter, glauben wir, hat der Staat von den sonstigen religiösen Anschauungen der Angehörigen nichts zu wissen, und bleibt es ihm ganz gleichgültig, ob der Jude an eine mündliche Ueberlieferung glaube oder nicht, welche Verbindlichkeiten man den Speisegeboten, dem Sabbatgebote u. s. w. beilege, u. dgl.- mehr. — Und eben was jene Verhältnisse des Juden dem Staate gegenüber betrifft, so glauben wir, daß eine officielle Erklärung von Seiten der Juden nie etwas enthalten könne, was einen Geisteszwang ausüben dürfte. Wir müßten augenblicklich das Judenthum aufgeben, wenn dasselbe etwas lehrte-, was den Gesetzen der Moral — und diese bilden doch den Maßstab, wenn anders der Staat die Verwirklichung des Ideals der Sittlichkeit als seinen Zweck erkennt — zuwider wäre. Aber dem ist Gott sei Dank nicht so. Wie unbegründet eine solche Besorgniß, wenn sie überhaupt zu rechtfertigen, sei, hat man daran ersehen, wie sich die in Mitten der strengsten Orthodoxie erwachsenen und lebenden Rabbinen über die Militärpflichtigkeit der Juden schon vor 30 Jahren und wieder vor 2 Jahren ausgesprochen haben. Sollte aber wirklich die Menschheit einen so totalenRückschritt machen, und der Staat oder vielmehr die Staatsgewalt sich zum Inquisitor der Unterthanen machen wollen und machen können, sollte er zur Annahme und Befolgung von Glaubensmeinungen, die er ihnen vorschreiben läßt, seine Macht entwürdigen, so mag und wird vom allgemeinen Schiffbmche der Intelligenz und der Freiheit auch der Jude nicht ausgeschlossen bleiben. Jndeß bekommt diese Frage ihre vollständige Beantwortung erst mit der der zweiten Frage. Jene so gefürchteten Erklärungen würden doch wahrscheinlich vonRabbinen ausgehen, und was wir hier noch nachzuholen haben, jene Erklärungen würden wohl über das Maß der Beftrgniß 16*