Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 197 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2744856-2744869-2744875--0619-2745568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tagesbegebenheiteu. 197 sten Charactere geschrieben. Sie haben keine Gesetzesrolle (8vker Tora), sondern lesen die heilige Schrift gelegentlich ohne Voealzeichen. Als wir die Synagoge verließen, begleitete uns Rabbi — eine kurze Strecke, und fragte mich nach dem „kleinen Buche," womit er das Neue Testament meinte. Aber als Lch's herausnahm, schaute er ängstlich zurück, und bemerkend, daß uns mehre Leute folgten, schien er sehr besorgt und zog sich zurück. Nachmittags kam er wieder in Begleitung zweier anderen Karäer und brachte uns Eier und Datteln zum Geschenk. Sie gingen zuerst in Herrn V icars (des dritten Missionairs) Zelt, da dies das größte war. Sie kauften drei Bibeln und empfingen fünf Exemplare des Neuen Testamentes. Rabbi — kam nachher in mein Zelt und blieb an zwei stunden. Ich fand es schwer ihn zu verstehn, da er ein Gemisch von Hebräisch und Arabisch sprach, obgleich er Hebräisch sehr gut verstand*. Ich verwies ihn aus Genesis 49, 10 und auf Jesaias 53, und setzte ihm auseinander, daß nach ersterer Stelle der Messias einmal kommen müßte, und nach der zweiten er wirklich kam, um für unsere Sünden zu leiden, und uns vom Fluche, der im Gesetze ausgesprochen ist, zu erlösen. Der Karäer widersprach mir selten und ließ sich alles gefallen. Auf meine Frage nach der Zahl der Karäer in Hied erklärte er, es wohnten 10 Familien oder an 50 Seelen hier. Es find sehr gutmüthige und bescheidene Leute und, was an einem so kleinen Orte selten ist, sie werden nicht mißhandelt von den Muselmanen. Sie ernähren sich von Gewerben, sind arm, aber zufrieden und glücklich. L. Bericht übet Synagoge und Schule. Hamburg. Zweiter Artikel. (Schluß.) Wir haben als das erste der Uebel die Gemeindeverfaffung genannt. Diese ist es daher zuerst die umgeschaffen werden muß, oder vielmehr es muß * Die meisten Misfionaire, welche nach dem Morgenlande gehen, find getaufte Juden. Diesen, welche von Jugend auf hebräisch gelernt haben, werden Zeit und Mittel gegeben, sich zu üben, um practische Sprachfertigkeit zu erlangen. Es ist dieß nöthig und auch das geeignetste Mittel den Verkehr mit den Juden in allen Ländern zu erhalten. Freilich sollte man erwarten, daß der jedesmalige Sendbote die Sprache des Landes spreche, in welches er geschickt wird; allein das ist bei den wenigsten der Fall. Selbst der Bischof Alexander soll sich stets nur der rabbinisch-hebräischen Sprache in seinen Unterhaltungen mit Juden und in seinen Vorträgen bedienen. Welches historische Gewicht kann aber auf die Resultate eines Verkehrs gelegt werden, wo beide Parteien der vermittelnden Sprache, die an sich für gesellschaftliche Zustände so mangelhaft ist, nur bis zu einem schwachen Grade von Vollkommenheit mächtig find?