Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 194 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Die amtliche Stellung des Rabbinen «. chm sorgen, die Gemeinden zur Anstellung von Rabbinen, und zwar von gesetzlich analog den christlichen befähigten Rabbinen nöthigen u. s. w., kurz die jüdische Kirche anerkennen, so würde sie vielleicht den von ihr anerkannten Principien, z. B. dem des „christlichen Staates" zuwiderhandeln. Man hatte in diesem Falle noch den Dank dafür auszusprechen, daß der Stillstand im Judenthume nicht noch gesetzlich begünstigt wird, und daß es uns überlassen bleibt, ob wir vor- oder zurückschreiten wollen. Aber man übersehe auch nicht, daß aus dieser Neutralität ein gefährlicher Feind erwächst. Die Ausbildung und Entwickelung des Judenthums bleibt auf diese Weise nothwendig hinter der Bildungsstufe der Zeit zurück; und wenn dies früher dem Judenthume keinen sichtlichen Schaden brachte, weil dessen Mitglieder dem Leben zu fern standen, um durch dieses Zurückbleiben besonders ergriffen zu werden, so wird ein solches dem heutigen Juden, der an allen Bewegungen der Zeit Theil nimmt, augenblicklich fühlbar; ja die eben hierdurch provocirten Mängel in der äußeren Erscheinung des Judenthums werden dann wieder selbst als Waffen gegen das Judenthum gebraucht. — Je nachdem man nun den einen oder den anderen Grund für die Beibehaltung des anarchischen Zustandes unserer kirchlichen Verhältnisse annimmt, schreibt man die Schuld im ersteren Falle den Juden, im zweiten der Regierung zu. Wir bescheiden uns wieder damit, zu keiner definitiven Entscheidung Bemf in uns zu fühlen; vielleicht wirken beide Gründe zusammen f denn wir glauben doch nicht, daß der preußischen Juden jetzige Zustände sich von den früheren anderer deutscher Juden, deren kirchliche Zustände von den resp. Regierungen geordnet werden konnten, so wesentlich unterscheiden dürften, abgesehen davon, daß eine solche Ordnung wirklich bej einem Theile der preußischen Juden (am Rhein) schon eingeführt war, und zum Theil noch erhalten ist. (Schluß folgt.) Tagesbegebrnheiten. Die große Bewegung die jetzt im Katholicismus vorgehet wird von den Protestanten mit lautem Jubel begrüßt; sie erblicken in ihr den Sieg des Lichts. Ist es in der That dieses Motiv, das die allgemeine Aufmerksamkeit und Anerkennung von Seiten der Protestanten anregt, ist das Entgegenkommen und die Bereitwilligkeit, mit der Stadträthe und Stadtverordneten der neuen Kirche willig Bethauser und Versammlungsorte einraumen, nur