Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 193 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die amtliche Stellung des Rabbinen rc. Igz das sie anlockt, die verwachsenen Wege mit lichten und ordnen zu helfen. Es kehrt ein Gemeinsinn ein in Israel, der, wenn auch nicht immer gesunde Resultate liefernd, doch vor Zersplitterung der Kräfte und vor Verdumpfung der Interessen schützt; die Oeffentlichkeit hat eine Ausdehnung gewonnen, vor der sich sogar die Häupter der Geldmacht, wie die ehernen Mauern des Hergebrachten beugen. Es gewährt einen still vergnüglichen Anblick, zu sehen, wie das frische Leben überall Wurzel schlägt, hier und da grüne Schößlinge treibt, und selbst die Verirrungen und Mißgriffe verlieren vor dem Geiste, der sie bewegt, ihr abschreckendes Aeußere. Während es so dieses frische Leben ist, das zu angenehmen Hoffnungen berechtigt, ist auch eine minder lichte Seite nicht zu übersehen. Neben anderen Uebelftänden, die allgemein verspürt werden, ist in Preußen ein Hinderniß, das der freien Entwickelung des geistigen Lebens in Israel entgegensteht, und das liegt in der Anarchie, der unsere Cultusgegenstände anheimgegeben sind. Wir fühlen uns nicht berufen, die Richtung, welche die preußische Regierung in Bezug auf die Bewegungen im Christenthume einschlägt, zu beurtheilen; ganz abgesehen von allen Ansichten über monarchische und constitutionelle Verfassungen, über Verhältnisse von Kirche und Staat, übt sie doch wenigstens in Bezug auf die christlichen Kirchen das ihr nach der gegenwärtigen Lage der Dinge zustehende Recht, das zugleich auch Pflicht ist; über die jüdische Kirche — man verzeihe den unkanzleimäßigen Ausdruck — übt sie ihr Hoheitsrecht nur in sofern, daß sie es nicht übt. Es ist das bekanntlich eine Klage, die schon sehr häufig wiederholt worden, und wir heben hier diesen Punkt nur in soweit hervor, als er zur Entwickelung unserer Ansicht nöthig ist. Grade weil man überzeugt ist, daß die preußische Negierung, wenn auch eine rein monarchische, doch — wo sie eingreift — sich nur von den Grundsätzen des Rechts und des Fortschrittes leiten läßt, wünscht man so allgemein, daß den inneren Verhältnissen der Juden die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werde. Wenn indeß diese Wünsche bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt haben, so kann man für ein solches Verfahren der Regierung verschiedene Gründe anführen. Man kann entweder hindeuten auf die große Zerrüttung, in der sich in der Gegenwart als in einer Uebergangsperiode die jüdischen Cultusgegenstände befinden, auf den Mangel anerkannter Principien, auf die Streitigkeiten unter den Juden selbst u. s. w. Oder aber man kann in der Achtlosigkeit der Regierung gegen die religiösen Zustände der Juden eine Folge ihres Verhaltens überhaupt dem Judenthume gegenüber sehen; wollte nämlich die Regierung die jüdische Kirche nach ähnlichen Gesetzen ordnen, wie die christlichen geordnet sind; also für Bildungsanstalten der jüdischen Geistli- Frankel, Zeitschrift U. 15