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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-05-01 · 5 (Mai 1845) · p. Seite 192

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
5 (Mai 1845)
Date
1845-05-01
Page
Seite 192 (sequence 34)
Language
German
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192 Tie amtliche Stellung der Rabbinen k. zügeben, wie sich in der unmittelbaren Gegenwart und an den Orten selbst, die hier in Rede stehen,« das Verhältniß des Fortschrittes zum Widerstande gestaltet. Wir, die Juden, mögen vielleicht ein Zeichen der Festigkeit unseres Gebäudes darin erblicken, daß es, von keiner äußern Macht gestützt, dem Anstürme einer neuen Zeit nicht schlechter zu widerstehen vermochte als unsere Nachbarhäuser; ein solches Selbstbewußtsein ist verzeihlich und bleibt es, so lange es nicht selbst hindert, die. Schwächen dieses Gebäudes und die Macht der Zeit zu erkennen. Ganz besonders darf es nicht hindern, sich über die Art und Weise, wie man das wankende Gebäude stützen will, klar zu werden; ganz besonders muß des Wächters Auge darauf gerichtet sein, daß nicht die Stützen des Gebäudes selbst dieses dem Sturze nahe bringen; daß nicht die Ausfüllung wahrer oder scheinbarer Lücken fremdartige Bestandtheile einführe, welche die gesunden Theile selbst anfressen und aushöhlen. Bringen wir diese allgemeinen Betrachtungen an die Zustände der -preußischen Juden, um die es sich doch hier zunächst handelt, und sehen wir, 'wie sie sich bei diesen in oonoroto gestalten. Jedermann weiß, daß auch die preußischen Juden mehr oder weniger von den allgemeinen Zeitideen influirt sind; fast keiner ist, t>et nicht — wenn auch mit großem Widerstreben — zugibt, das Judenthum stehe in einer sehr folgereichen Entwickelungsperiode; viele haben es „den nahen Tod des Patienten" vorhersehend aufgegeben, und dem vermeintlichen Geiste der Zeit folgend sich mit vielen ihrer christlichen Mitbürger jedes positiven Glaubens entschlagen, dem Namen nach Juden, wie diese Christen. Eine große Anzahl glaubt aber wirklich an eine Fortd nuer des Judenthums und zugleich an eine Möglichkeit der Fortbildung desselben. Daß sich unter der letzten Klasse gar sehr verschiedene Ansichten geltend machen, ist bekannt; von denen an, die im Judenthume nicht viel mehr als eine Negation des Christenthums erblicken, bis zu denen, die an eine Erhaltung alles Bestehenden glauben und durch Vergeistigung, durch neue Auffassung dem scheinbar Tobten neues Leben einhauchen wollen, wenn dies auch zuweilen nicht mehr als ein galvanisches Zucken ist. Im Allgemeinen muß man es anerkennen, daß die Anzahl derer, die, obgleich Juden, dennoch das Judenthum gänzlich zu ignoriren sich bemühen, immer mehr abnimmt; ja Viele, die Jahre lang in fremden Gebieten umhergestreift, finden sich zu ihrem eigenen Erstaunen gern und freudig im alten Vaterhause wieder zusammen; sie wundern sich, wie traulich es sich doch noch darin wohnen lasse; sie stoßen überrascht in dem verwilderten Gärtchen auf manche Blume, die sie anspricht, auf manche Frucht, die sie erquickt, überhaupt auf Vieles,

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