Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 191 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Die amtliche Stellung des Rabbiuen >c. 191 Die Zeltanschauungen, denen die Principien des besprochenen Entwurfes ihr Dasein zu verdanken scheinen, kann man von einem doppelten Einflüsse influirt betrachten. Zuerst von dem religiösen Standpunkte unserer Zeit überhaupt. Derselbe ist bekannt genug, und Judenthum und Christenthum bieten im Wesentlichen dieselbe Erscheinung dar. Es ist indeß zur genauen Bezeichnung desselben nicht genug gesagt, wenn man uns von einem Zurückgedrängtsein des religiösen Bewußtseins im Menschen spricht; wäre dies allein das charakteristische Symptom der Gegenwart, so wären wir seit der bekannten Zeit der Encyclopädisten um nicht viel vorwärts geschritten, und die Reihe der großartigsten Erscheinungen, die an uns vorübergegangeu sind, wäre unnütz vorübergegangen. Aber während das gedrückte religiöse Bewußtsein der damaligen Zeit aus dem niedrigen Standpunkte erwuchs, den das sittliche Bewußtsein des Menschen überhaupt eingenommen hatte; während die unerfreulichen Aeußerungen jener Zeit sich als die Ausbrüche eines lange im Innern genährten Giftes, des Giftes der Sklaverei und der entarteten Volksthümlichkeit geben, und das den ganzen Organismus mit einer völligen Auflösung bedrohte, erblüht das religiöse Bewußtsein der Gegenwart grade aus der klaren Anschauung von der Macht des Sittlichen, "aus dem Wissen des Menschen von der in ihm ruhenden Kraft, von seinen ewigen Ansprüchen an das Dasein. Und eben weil dies Bewußtsein ein starkes und mächtiges ist, und einen breiten und haltbaren Unterbau zu gewähren verspricht, werden die Bande, welche bisher die menschliche Gemeinschaft erhalten haben, in politischer wie in religiöser Beziehung zu eng; mehre als man glaubt, sind unvermerkt aus den Ringen herausgetreten, und schauen freien, wenn auch nicht ganz sicheren Blickes in die unabsehbare Ferne, die sich plötzlich vor ihnen aufthut. Es wäre eine elende Selbsttäuschung, wollte man, möge man nun auf welchem Standpunkte des politischen oder religiösen Gebietes es sei stehen, die Augen vor solchem gewaltigem Drängen und Treiben verschließen , und was man lebend und wachend gesehen, für Träume und Hirngespinste erklären; es wäre aber auch eine gefährliche Anmaßung, wollte man mit selbstvertrauender Zuversicht genau den Grenzpuirkt angeben, bis zu dem sich die Gewalt der Fluth erstrecken dürfe. Was unbedingt anerkannt werden muß, das ist die freie Bewegung des menschlichen Geistes, der nur seinen ewigen, keiner Aeußerlichkeit gehorchenden Gesetzen folgen darf, und der Einzelne, der mit dahinrauscht auf dem wogenden Strome, ihm genüge es, einer der Tropfen zu sein, die, wenn sie sich nur bewegen, in ihrer Gesammcheit zu einer unwiderstehlichen, allen künstlichen Dämmen spottenden Fluth werden. — Es ist wohl nicht erst nöthig, an-