Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 189 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2744856-2744869-2744875--0611-2745560- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
189 Anforderungen des Glaubens rc. Schrift nur das für ewig bindend halte, was nach seiner Ueberzeugung der Ewigkeit Werth sei, und seinen Lesern nicht noch seine Gläubigkeit zum Beßten gegeben, so hätte er reinen Wein eingeschenkt. Er hätte sich dann alles, was er über Tradition sagt, füglich ersparen können. — Eine andere Probe finden wir in Herrn vr. Holdheim's Gutachten, wo es S. 57 heißt: „Die Rabbinen sind die ältesten Wahrer der Tradi- „tion. Entsteht bei Jemand ein Zweifel gegen etwas, was die Rab- „binen als die Tradition ausgeben, so leiten sie die Verbindlichkeit, „ihnen aufs Wort glauben zu müssen, aus 5. B. M. 17, 11. „'-ci: „ „du sollst nicht weichen von allem was sie dir sagen werden, „weder rechts noch links."" Ist.diese Erklärung in angenommener „Beziehung als traditionell verbürgt, so ist man biblisch verbunden, „den Rabbinen zu glauben. Wird diese Erklärung in Ansehung ihrer „traditionellen Wahrheit in Zweifel gezogen, so fehlt aller Nachweis „für die Verbindlichkeit, das von den Rabbinen als Tradition Angege- „bene als solches glauben zu müssen. Der Beweis für die Verbind- „lichkeit des Glaubens an das von den Rabbinen als Tradition Ver- „bürgte dreht sich also in einem Zirkel. Da man aber nur an die Tradition zu glauben, nicht aber das für Tradition Ausgegebene ohne „Prüfung für wahr anzunehmen verpflichtet ist, so ist hierdurch der „wissenschaftlichen Forschung ein weites Feld geöffnet, ohne der Recht- „gläubigkeit zu nahe zu treten." Allerdings wird hierdurch einsehr weites Feld geöffnet; es ließe sich jede mißliebige Tradition untersuchen, und da eine Tradition natürlich nicht zu erweisen ist, sobald man dem Referenten derselben keinen Glauben schenkt, ausscheiden, dagegen nach dem Principe der Tradition sich eine Macht die Schrift auszulegen beimessen und — man hätte gewonnenes Spiel. — Man glaubt an die Tradition, d. h. an das Princip, daß den jezeitigen Schriftgelehrten die Befugniß zustehe, nach ihren Auslegungen der Schrift dieselbe zu handhaben; man glaubt aber nicht an eine bestimmte, gegebene Tradition, sie muß erst als solche untersucht werden — und was findet man nicht alles, wenn man untersucht! — mithin ist die Schrift in den Händen der Rabbiner ism-i nana und ist also der Forschung ein unbegrenztes Feld eröffnet. Uns dünkt aber, daß wenn einmal die Annahme einer Tradition nothwendig ist, wie dies Herr vr. Holdheim zugibt, natürlich auch angenommen werden muß, daß eine solche in ihren Grundregeln und Bestimmungen gegeben und man das im Talmud für Tradition Gebotene als solches zu nehmen verpflichtet sei, weil wir in Ermangelung dessen die. Schrift willkürlicher Auslegung preisgegeben sähen, und daß der Glaube an die Tradition und die Bezwei-