Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 186 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Anforderungen des Glaubens ic. Wahrheit ist denn noch nicht in Zweifel gezogen oder von einer irre geleiteten Vernunft negirt worden? Wir wiederholen, es: die Schrift, als das Wort Gottes, und die im Talmud gegebene Tradition, als die Erklärerin und Fortbildnerin desselben, müssen festgehalten werden, wenn die Reformen bei den Rechtgläubigen Anklang finden und nicht vielmehr die Reformer in Mißkredit setzen sollen. Oder sollte man die Forderung an eine Gemeinde zu stellen wagen, daß ste das Vertrauen in das Gewissen ihres heterodoren Rabbiners, wohl verstanden, der nicht etwa nur in einzelnen Punkten abweicht, sondern principiel durch That oder Lehre stch als Feind des rabbinischen Judenthums zeigt, setzen solle, daß er im Sinne der zur Zeit geltenden Principien die Entscheidungen gebe, die religiösen Institute überwache, in diesem Sinne predige und die Jugend erziehe? Wird z. B. wer nicht nur in Einzelheiten verschiedener Anficht ist, sondern das Ceremonialgesetz für eine Ueberfracht, für etwas Gleichgültiges oder gar zum Theile Schädliches anfiehet, wirklich mit der ängstlichen Sorgfalt, welche die Gemeinde erheischt, über die strengen Speisegesetze, die Pesachgesetze u. s. w. Wachen? Wird er den Erwachsenen in Predigten, der Jugend im Religionsunterrichte Sinn für die Aufrechthaltung der Ceremonien nach der bestehenden, ihm nicht behagenden Norm einzuflößen streben? Wieder nicht vielmehr in seinem Gewissen stch verpflichtet fühlen, wenn auch der Gemeinde nicht schroff entgegen zu treten, doch auch den von ihm als Jrrthümer erkannten Principien wenigstens keinen Vorschub zu leisten, und wo es immer ohne Stömng des Friedens angeht, namentlich bei der Jugend seinen Ansichten Eingang zu verschaffen? Man wird nicht fordern, daß ein Patient, der Mißtrauen gegen die Homöopathie hegt, einem Homöopathen stch anvertrauen solle; man wird eS aber auch als Verrath ansehen, wenn der Homöopath dem Patienten zu Liebe eine andere von ihm als schlechter erkannte Heilmethode anwendet: und mit dem Seelenarzte und dem geistigen Patienten sollte es eine andere Bewandniß haben? Und die Differenz zwischen der orthodoxen und rationalistischen Seelen-Heilmethode ist nicht homöopathischer Natur; sie greift in großen Dosen tief in das praktische Leben ein. Man denke, stch doch die schmerzliche Pein, welche ein orthodoxer Jude empfindet, wenn ihn beim Genüsse der Speisen die Angst plagt, ob auch, beider Lauheit, mit welcher der Rabbine über die Speisegesetze denkt, die gehörige Observanz in Bezug auf ruivna und rnsna stattfand, ob er nicht mit jedem Bissen sich versündige? den Kummer, mit dem er nothgedrungen sein Kind einem Religionsunterrichte anvertraut, von dem er Irreleitung seines Kindes fürchtet u. st w.; heißt das nicht im» -st wuitzn “pn? Wir sprechen hier keineöweges von einem wirklichen Falle, und sind weit