Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 185 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Anforderungen des Glaubens w. , 185 statten dürfen, da ja Ruhe vom Gewerbe der Lebensnerv der Sabbatfeier ist. ' Die Rabbinen können hier nichts weiterthun, als einerseits,immer und immer wieder lehren und einpragen und durch Muster aus der früheren Zeit und der Gegenwart zu Herzen führen, was der Israelit seinem Glaubenzu opfern verpflichtet und was ein fester, gläubiger Sinn im Kampfe gegen die Verhältnisse, die uns -ja nie ganz günstig waren, den letzteren abzuringen im Stande sei; andererseits durch verbesserten Gottesdienst, Chor, Predigt, der Synagoge immer mehr Freunde und Besucher gewinnen: die Rabbiner würden dann, sollten sie ihren Zweck bei sehr Wenigen ganz, bei Anderen nur zum geringen Theile erreichen, immer ihrem Gewissen mehr Genüge gethan haben, als wenn sie, was auch noch Keinem in den Sinn kam, noch kommen kann, durch Concesfionen zu Gunsten des Gewerbbetriebes selbst Hand an die Zerstörung dieser mächtigen Religionssäule legen. Wir sind überzeugt, daß wenn Nur erst der rechte religiöse Sinn in die Herzen der Israeliten einziehet, der Sabbat im Kampfe mit den äußeren Hindernissen wohl von dem Einen mehr, von dem Andern minder streng beobachtet, aber keineswegs ganz unterliegen werde. Eine Modifikation wäre nur im Sinne der Schrift und Tradition möglich, die aber eben dem Gewcrbsleben am wenigsten zu Statten kommen könnte. Was den zweiten Grund des Verlangens nach Reformen betrifft, nämlich die veränderte Ueberzeugung eines Theiles der Juden, so wäre es thöricht darauf einzugehen. Der positive- Glaube ist nicht eine Form für eine jezeitige Ueberzeugung; seine Gesetze und Lehren können sich nicht nach dem Willen der Bekenner fügen, vielmehr fordert er von diesen Unterordnung, und wessen Ueberzeugung sich gegen dieselbe ganz oder zum Theile sträubt, der wird, wenn er ihr das Uebergewicht über den Offenbarungsglauben gibt, ganz oder zum Theile sich, selbst seinen Glauben bilden, der-dann weniger oder mehr mit dem positiven Judenthume zufällig übereinstimmen wird, würde sich aber nur selbst täuschen, wenn er diesen für einen Offenbamngsglauben halten wollte. Die Lehren des Judenthums sind allerdings so beschaffen, daß man sie nach Annahme derselben im Vertrauen auf die Schrift durch die Vernunft zu seiner Ueberzeugung machen kann und soll; sind aber, sobald man die Vernunft als obersten Richter einsetzt, alle der Bezweiflung unterworfen, und müssen eben darum, als geoffenbarte Lehren , der Vernunft zur Leitung dienen. Wollen wir die Lehren des Judenthums der individuellen Ueberzeugung aller ihrer Bekenner anpaffen, wo in aller Welt könnten wir in unserer zweifelsüchtigen Zeit ein so wenig sagendes Princip auffinden, mit dem sich Alle einverstanden erklärten? Oder welche