Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 184 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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184 * Anforderungen des Glaubens,c. er in seiner theoretischen freien Forschung bisweilen über denKreis, den seine Praxis ihm zieht, hinausschreitet, sobald er durch Wort und That von Liebe und Anhänglichkeit an den Glauben, von ernstlichem Streben zur Erhaltung des Judenthums zeigt. Der Rabbiner soll nicht durch Geistesfesseln zum Automaten oder Heuchler werden, Mer eben so wenig im jugendlichen, unbesonnenen oder gar feindseligen Sturme gegen die Veste deS Glaubens seinen Ruhm suchen. Sein amtliches Streben soll Befestigung, nicht Erschütterung des Glaubens sein, daher muß sich Ernst und Würde mit Klarheit des Gedankens paaren; er bedenke, was und wo und zu wem er spreche, nicht um seine Person, sondern um die heiligen Pflichten seines Amtes zu wahren: nnm tnaan Während aber das Traditionelle im Talmud gleich der Schrift ewige Geltung beansprucht, sind 1) die Vorschriften, die aus der Schrift abgeleitet, aber nicht als Tradition behandelt werden, sowie 2) die wnivBi two, rmisn nirpn als rein menschlichen Ursprungs nicht ewig bindend. Eine Rabbinersynode hätte daher die Macht, diese im Interesse der Religion zu ändern oder aufzuheben, oder neue Anordnungen einzuführen; ingleichcn stände ihr die Befugniß zu, auf dem Wege der Tradition, nämlich unter gewissen Verhältnissen eine traditionelle Maßregel in Anwendung bringend, oder vermittelst gewisser Vorkehrungen, durch welche im Wege des Gesetzes eine Schwierigkeit gehoben wird, wie Hillel's Anordnung des Prosbul, Harmonie zwischen Leben und Lehre zu erstreben, wobei freilich eine sorgfältige, höchst gewissenhafte Abwägung vonnöthen wäre. Man könnte auf diesem Wege manchem Nebel abhelfen, ohne darum bei dem Volke das Vertrauen zu verscherzen, wenn sich nur keine Feindseligkeit, keine Geringschätzung und Herabsetzung des Talmuds bei den Reformern zeigt; wenn im Gegentheile gerade die Reformer durch Hochachtung und Verehrung der früheren Lehrer, und auf sie gestützt dieselbe auch für sich und für ihre Einrichtungen zu gewinnen suchen. Freilich würde diese Reform nicht für alle Anforderungen der Zeit ausreichen, aber dieses ist weder möglich, noch zu verlangen billig. Das Verlangen nach Reformen stützt sich in unserer Zeit auf zwei Gründe: auf die Schwierigkeiten, die sich zwischen das Gesetz und das Leben stellen, und auf eine veränderte Ueberzeugung, welche ein Theil unserer Glaubensgenossen gewonnen habe. Betrachten wir den ersten Grund, so sehen wir leicht die Unmöglichkeit ein, der Forderung völlig nachzukommen, da gerade das wesentlichste und unabwendbare Hinderniß den wesentlichsten Theil der Religionsgesetze betrifft; wir meinen das in die Sabbatseier störend eingreifende Gewerbsleben, dem wir durchaus keine Concessionen ge-