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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-05-01 · 5 (Mai 1845) · p. Seite 180

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
5 (Mai 1845)
Date
1845-05-01
Page
Seite 180 (sequence 22)
Language
German
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180 Schreiben an den Hrn. Kirchenrath vr. Maier in Stuttgart. heit, das ist auf das Wegdeuten alles Positiven hinaus? — Ein gründliches Eingehen und Auffassen des rabbinischen Judenthums wird nach meinem Dafürhalten — ich sage es im Bewußtsein der aufrichtigsten, innigen Ueberzeugung —keinesfalls den Wunsch, es aufzugeben, so wir an einem Positiven halten, erzeugen; wohl aber uns sagen, daß wir eine freie Meinung haben können. Welchen Gebrauch wir aber von dieser Meinung fürs Leben zu machen haben? Ist diese Meinung eine begründete, reif durchdachte (und von einer solchen kann doch wohl nur die Rede sein), die wir im gerechten Mißtrauen gegen uns auch Anderen mitgetheilt und deren Billigung erhalten haben, dann dürfen wir es auch versuchen, ihr praktische Geltung zu verschaffen. Aber weil wir nicht aus Haß gegen das rabbinische Judenthum verfahren, das ä tout prix und mit allen Mitteln entwurzelt werden soll, da wir ihm eine hohe Idee zugestehen, die im Volke erhalten, dieses selbst dem Glauben erhalten werden soll, so muß daö Volk zu Rache gezogen werden, muß was in ihm seine religiösen Wurzeln hat und sich ihm zu Religiösem gestaltete genau erwogen werden und unangetastet — so wie es auch der Grundsatz dieser Lehrer war — verbleiben. Der Satz „es liegt in dem allgemeinen Bewußtsein einer Religionsgemeinde auch eine Offenbarung, die, so lange sie lebensvoll, das allgemeine Gut der Confession ist, eine nicht mindere Anerkennung als die unmittelbare, göttliche finden muß" (Januarheft S. 15), scheint mir noch immer eine Wahrheit. Aber wer ist dieses Volk? Sie sind im Jrrthume, wenn Sie das Volk durch die Gebildeten allein repräsentirt glauben, und deren Forderungen für den Maßstab der Zeitgemäßheit nehmen: Sie behalten, wie oben nachgewiesen wurde, für den Glauben zu wenig übrig. Ebenso wenig würde ich die starre Orthodoxie zur Richtschnur nehmen, so wie ich auch den, in einem neuerlichen von vielen Rabbinen ausgegangenen Aufrufe ausgedrückten Satz: „es stehet in keines Menschen Macht, auch nur das kleinste der religiösen Gesetze aufzuheben" nicht zu dcm meinigen machen kann. Jndeß könnte ich Sieauf eine, in der Mitte zwischen dieser und jenen stehende, selbst inDeutschland noch großeMehrheit verweisen, die noch einen tiefen religiösen Kern zurückbehalten, in der eine tiefe Empfänglichkeit für Religion, und ein inniges Halten an dem Glauben ihrer Väter lebt: und die nichtsdestoweniger nicht der Bildung entfremdet ist, die die veränderte Denk- und Anschauungsweise auch in sich ausgenommen und eine Reform wünscht, sie vorzüglich um ihrer Kinder willen, die sie für das Theuerste, dem Glauben , erhalten will, wünscht und daher der Zeitgemäßheit gern einen Einfluß gestattet. Doch wozu über Zahlen streiten? Ich habe in jenem und noch manchem ande-

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