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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-05-01 · 5 (Mai 1845) · p. Seite 179

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
5 (Mai 1845)
Date
1845-05-01
Page
Seite 179 (sequence 21)
Language
German
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Schreiben an den Hrn. Kkrchenrath Dr. Maier in Stuttgart. 179 dm und sich als unzulänglich erwiesen. Die Erschwerungen verdanken wir nicht sowohl der Mischna und den Talmuden, als daß sie abgeschlossen wurden, und man eine Grenzlinie setzte: „bis hierher und nicht weiter." Daß eine feste erstarrte und erstarrende Gestaltung nicht in der Absicht der alten mischnischen Autoren lag, zeigt deutlich ihre Meinungsfreiheit, und wie sie sich durch Autorität und Alter nicht von ihrer selbstständigen Ansicht und Aeußerung zurückhalten ließen. Auch wollten sie sich nicht zu Gebietern der Lehren und Meinungen aufwerfen: und scheint dieses deutlich in dem aroa ■waa m» •'» assato a-nan ausgedrückt. „Rur was sich durch die Gesammtheit verbreitet, was vom Volke allgemein ausgenommen und sich in dasselbe eingelebt, das kann nicht aufgehoben werden (S. 19 ff. a. a. O.)", war die bindende Norm. Diese verschiedenen Meinungen wurden in der Mischna zusammengetragen*, und wurde diese abgeschlossen, dasselbe geschah später mit den talmudischen Autoren, und so verkörperte sich das Judenthum in Buchstaben, und entstand unabweichbare Autorität. Die Nothwendigkeit, die Vorsorge, daß bei der Zerstreuung der Juden das Gesetz sich nicht ganz zersplittere und endlich verliere, trieb zu der schriftlichen Abfassung, führte aber auch unwillkürlich jene nachtheilige Folge mit sich. Durch die durch Wissenschaft und Bildung wiedererlangte Geistesfreiheit mögen wir versuchen, diese nachtheilige Folge abzuwenden: die schriftliche Abfassung (von der Tradition an einem andernOrte) sei nicht der Abschluß, die unübersteigbare Mauer, an der sich jede Meinungsfreiheit breche; und haben wir ein Recht unsere Meinung auszusprechen. Aber es geschehe in solcher reinen ehrfurchtsvollen Auffassung der Schrift, wie es Jene gethan: ihren Geist, ihr Durchdrungensein vom Glauben wollen wir mitbringen, nicht die Männer, die ihr Leben, ihr ganzes Sein ihm widmeten und von hoher reiner Idee durchdrungen waren, durch Schmähungen herabwürdigen, sie dem Volke verächtlich machen, und sowohl an jenen als an diesem, das wir ganz um seinen Glauben bringen, sündigen. Ueberhaupt kann der so oft gehörte Ruf „wir wollen uns vom Talmud lossagen" nur auf Rechnung der Unwissenheit oder der Oberflächlichkeit oder des Mangels an positivem Glauben geschrieben werden. Das rabbinische Judenthum hat einen edlen reinen Kern; wie Vieles, das allgemein im Judenthum als trefflich anerkannt wird und das jeder sittliche Jude gern von ihm zurückbehalten will, ist aus diesem rabbinischen Judenthum hervorgegangen! Und wurde denn vorher genau geschieden, was rabbinisches, was biblisches Judenthum ist, will man dieses festhalten? Kommt nicht denn zuletzt doch Alles nur auf die Zeitgemäß- * Ob R. Jehuda Ha »naß dieses schriftlich getha», übergehe» wir als nicht hierher gehörend. 14*

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