Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 177 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Schieilen an den Hrn. Kirchenrath vr. Maier in Stuttgart. 177 loreir gehen. Ich will nicht weiter darauf dringen , wie Cie selbst mit Ihrer Zeitgemäßheit noch keinen bestimmten Weg ausfinden; wie der Sabbat Ihnen eine Verlegenheit macht, über die Sie bei aller geistigen Auffassung nicht wegkommen können. Wahrlich! in solchen Zeitlagen eine vollständige Aussöhnung ausfindig zu machen, zeigt fich kein System ausreichend, kann ein Princip mit seinen Consequenzen nicht genügen, bleibt jeder Versuch Stückwerk,- bringen nicht Vorschläge und Aufrufe das erwünschte Heil, findet jede noch so gutgemeinte Abstcht unübersteigliche Hindernisse. Und ich sollte mir anmaßen, daß in meinen Vorschlägen das Heilmittel liege, ich den Wahn hegen, der Berufene zu sein, die Wunden der Zeit zu heilen? — Aber ich befinde mich nach meiner Ansicht auf dem Standpunkte des Glaubens, und so bleibt mir eine große Hoffnung für die Zukunft, daß die Zeitgemäßheit sich endlich zu ihm wende: Sie setzen letztere voran, und wie traurig, wenn auf diesem Wege der Glaube zu ihm endlich ganz herabsteigt und sich selbst aufgibt! •— Wie ich aber mit dem Glauben stehe und auch auf die Gegenwart und die veränderte Denk- und Anschauungsweise Rücksicht nehme, will ich mit Beziehung auf meine früheren Aufsätze hier in einigen Worten wiederholen. - Vor Allem mein Bekenntniß über rabbinisches Judenthum. Das rabbinische Judenthum ist in seiner Totalität ein hohes, heiliges Institut: der Geist der Keuschheit, der Mäßigkeit, der Milde durchwehet es, es ist von der tiefsten innigen Ergebung getragen. Man hält sich an einzelne Stellen, man führt aus ihm Meinungen an, die es verdächtigen und herabwürdigen sollen; doch die stets den Geist im Munde führen undvonderJdeeunddembelebendenPrincipesprechen,hier gerade wollen sie Alles materiell anfaffen, hier das Auge von der Idee abwenden, dieser Geist soll vergebens sprechen, hier finden sie nichts als eine Leiche und riechen nur Modergeruch, hier wollen sie über den Blößen, die sie aufspähen und laut verkünden, nicht den hohen leitenden Gedanken wahrnehmen? Und eine hohe heilige Idee ist dem rabbinischen Judenthume, weder wenn man es in seiner Gesammtheit durchforscht, noch wenn man aufdie praktischen Resultate hinblickt, die es in unserem religiösen und Familienleben erzeugte, abzusprechen. „Aber im rabbinischen Judenthume ist Werkheiligkeit, äußere Religiosität die Hauptsache," rufen Sie vielemal und mit Ihnen Andere. Lassen Sie uns denn genau untersuchen , ob der Begriff „Werkheiligkeit" auf das Judenthum anwendbar ist. Man hört ihn so oft auf dem Gebiete einer anderen Confession, wo er einer Partei zum Vorwurfe gemacht wird, und man hat ihn auch aufs Judenthum herübergezogen, so wie man dieses überhaupt seit ei- Tronkl, Abschrift II. 14