Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 175 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Schreibe» an de« Hrn. Kircheuräth Dr; Maier in Stuttgart 175 Betrachten wir genau die verschiedenen Standpunkte , ans denen wir uns einander gegenüber befinden. Sie stellen die Zeitgemäßheit oben an und kommen in großes Gedränge mit dem „ geoffenbarten Willen Gottes;" «einer Anficht gilt der Glaube als erste Potenz, und bin ich in der betrübendsten Verlegenheit, wie mit ihm die Zeitgemaßheit versöhnen. 'Daß Cie ihn in Ihrer Theorie aus den Augen verloren möge Ihnen Ihre in obiger Schrift nicht undeutliche Parteinahme für den Reformverein zu Frankfurt a. M. zeigen. Ich habe natürlich auch hier nicht Personen im Auge , es soll dem Charakter Jener, die sich ihm angeschlossen , nicht nahe getreten iverdeu; ich kehre nur auf diesen Punkt zurück, um das Princip der Reform überhaupt aufzufinden. Der Frankfurter Verein hat mehrfach ausgesprochen, daß er „einen geoffenbarten Willen Gottes in der Schrift" nicht anerkenne *. Ich erklärte iw dem vorhergedachten Aufsatze, ,;daß mit dem Frankfurter Reformvereine keine Transaction zu treffen sei, da er außerhalb der Grenzen des Judenthums stehet." Sie führen meine Worte zweimal (S. 20) an; und sind Ihnen die von mir mit diesen Worten Bezeichneten „diejenigen, welche eine durchgreifende Reform wünschen." Sie haben hier offenbar das Princip verloren, so wie genau genommen Ihr ganzes Versuchen und Verlangen nach Reformen an Principlosigkeit leidet. Genügk zu sagen „wir wollen reformiren," muß nicht die die Norm angebende Berechtigimg, die Grundlage , von welcher man ausgehet, zuerst genau erforscht werden? Wird von vorn herein der Standpunkt verrückt,' dann wird eine r e l i g i ö se Reform nicht zu Stande kommen, nichtsftrr den G l a u b e n -gewonnen werden; es bleibt nur ein- Kinderspiel , das religiöse Bedürfniß findet nicht Befriedigungman hat reformirt weil man gewollt, 'weil man es drückend fand als nichtreligiös zu erscheinen,' und man nun wünscht dieses Nichtreligiöse zu legittmiren. Eine Neberzeugung kann, solches unselbstständige Reformiren nicht hervorbkingen x wer früher sich beunruhigt fühlte, dem werden durch den allgemeinen tigen Synode (die zu bewerkstelligen der alleinige Zweck dieses Aufrufes fein soll) nicht vorgreifefür angemessen. Allein dann Hatte auch der Passus von einem irdischen MesstaSreiche, der doch den Schein einer hier gewiß unwürdigen. Be^ complimentirung gegen den Staat tragt, wegfallen können : wollte man im himm-. lischen Reiche einer zukünftigen Synode nicht vorgreifen, so.sollte.man ihr auch das irdische anheimsteÜen. Eine weitere Erklärung dieses in seiner jetzigen Fassung unklaren'Aufrufs wöre wünschenswerth. ' * Und hierin läge der große. Differenzpunkt zwischen ihm und jenem Berlin neraüfruf, der von der heiligen Schrift sagt: „die wir als ein Zeugniß göttlicher Offenbarung anerkennen, von welcher der Geist unserer Väter erleuchtet wurde," und daher positive Religion ff. verlangt.