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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-05-01 · 5 (Mai 1845) · p. Seite 174

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
5 (Mai 1845)
Date
1845-05-01
Page
Seite 174 (sequence 16)
Language
German
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174 Schreiben an den Hrn. Kirchenrach Vr. Maier in Stuttgartdie Ztikgomässheit und die Bildung führen, stch in einem dem meinigen entgegengesetzten Verhältnisse konsequent bleiben; nach ihrer Anschauungsweise hätten müssen die Lehrer und Führer des Volkes im Zeitalter der Enryklopädisten, das nicht wie die Zeit Achabs dritthalb tausend Fahr« hinter Uns liegt, den Atheismus/ müßten manche Führer Und Lehrer, die in Orten leben, wo der moderne Hegelianismus bei den Gebildeten herrscht, diesen als legitim erklären. Sie haben sich die Mühe genommen mich zu belehren, worin mein' Jrrchnm bestehet (S.16 f.); ich will nach Ihrem Beispiele nachforschen, worin das Verfehlte Ihrer Ansicht liegt) ohne Ihnen in den, bei dieser heiligen Frage gewiß am Unrechten Orte angebrachten Jnveetiven und ironischen Bemerkungen nachzuahmen. Sie oder eigentlich, um mich von Mer Persönlichkeit fern zu halten, Ihre Ansicht raunrt dem Glaube» zu wenig ein. Sie führen ihn zwar im Munde, haben ihn auch in Gedanken; aber er entschlüpft Ihnen jeden Augenblick; der „geoffenbarte Wille Gottes" wird Ihnen unvermerkt zn einer Offenbarung des Zeitgeistes. Sie stellen die Zeitgemäßheit und die Bildung oben an, Und in diese, hinsichtlich ihres Glaubens an den geoffenbarten göttlichen Willen gewiss einem Nadelöhre zu vergleichende Ansicht soll die Schrift eingefädelt werden. Diese Ansicht ist eine Krankheit der Zeit, der — obschon ihrer Bildung und Wissenschaft nahe zu treten von mir ganz fern ist — doch unstreitig lange der Glaube abging. Sie fängt nun an ihre Schmerzen zu fühlen, gelangt zum Bewußtsein, daß ste erkrankt sei; der Ruf nach Glaube», nach positiver Religion wird gehört: es ist ein Aufzucken, ein Lichtstrahl nach langer düsterer Nacht; und so verworren noch dieser Ruf ist, so sehr sich noch dem Glauben entge- _ gengesetzte Elemente darein mischen, es ist ein religiöses Sehnen, ein Wiedererwachen, eine Anerkennung, daß man zu einem positiven Jmdenthume zurückkommen müsse *. ' * Es liegt uns ein in Berlin ausgegarrgener Aufruf „An unsere deutschen Glaubensgenossen" vor, in welchem die Unterzeichner sagen: „Wir wollen: Glaube; wir wollen: positive Religion; wir wollen: Judenthum/' Dieser Wille verdient Achtung; nur darf freilich der Wille sich nicht über den Glauben und das Positive und das Judenthum setzen, da sonst der Glaube schwindet, nur ein subjektiver WMe zurückbleibt und das Ganze also nur ein Spiel mit Worten ist. Es muß daher ungemein bedauert werden, daß so Vieles in diesem Aufrufe nnbestimmt gelassen, ja sogar durch manchen Passus die heilige Trias, „Glaube, » positive Religion, Judenthmn," neutraliflrt und in ein Nebelgebilde aufgelöst wird; und noch mehr ist zu beklagen, daß man hier nicht angegeben, was mau als Positives betrachte, und der Leser in Unklarheit bleibt, ob man auch nur ein practisches Gebot beibehalten wolle. Vielleicht glaubte man die allgemeine Fassung gerade ihrer Unbestimmtheit wegen und damit man einer zukünf-

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