Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 172 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Schreibe« -n den Hrn. Kirchenrath Vr. Maier i« Stuttgart. lesen, je darauf gekommen wären. Es ist nur zu bedauern,- daß so vielen Jahrtausenden diese Wahrheit verborgen geblieben (denn bekanntlich waren die waran nur wipaa), und man nicht eher den tiefen Einblick gethan, und auf das Historische, Altehrwürdige verzichtet. Co weit gegen Ihre Widerlegungen, über die ich Anderen das Urtheil überlassen kann: mögen Sie bei einer anderen Gelegenheit den Beruf des Apologeten mit größerer Tiefe auffassen. Ich komme nun zu dem Punkte der Reformen, der wichtiger als alle gelehrten Zänkereien ist*. Nicht die Rabbiner und Prediger allein, die zu Braunschweig versammelt waren, fühlen die Wehen der Zeit und wünschen ihr abzuhelfen; seien Sie versichert, daß jeder denkende redliche Rabbiner, der nicht im Amte sitzt um Amt und Brod zu haben, tief von diesem Schmerze ergriffen ist, daß diese Zerfallenheit und Zersplitterung und die noch trüberen Aussichten für die Zukunft in Ledermann den peinlichsten Eindmck und den Wunsch abzuhelfen Hervorrufen. Welcher Redlichgesinnte sollte nicht Abhülfe wünschen, wer würde, so es sich mit feiner religiösen Ueberzeugung verträgt, nicht gern die Hand darbieten, um des gegenwärtigen und des künftigen Geschlechts willen, um zu retten, um zu erhalten? Aber eben diese religiöse Ueberzeugung vermehrt den tiefen Schmerz, der manchen von Euch als Zeloten Verrufenen verzehrt: macht in ihm den Kampf unausgleichbar zwischen dem Wunsche abzuhelfen und den Forderungen des Glaubens. Bleiben wir vorerst bei'dem Verlangen nach Reformen stehen, das aus der Zeitgemäßheit, aus der höheren Bildung und dem Fortschritte der Wissenschaft hervorgehet. Diesem Verlangen sprechen Sie zumeist das Wort, Sie haben die Gebildeten und „die Bildung und die veränderte Denk- und Anschauungsweise" im Auge. Auch ich erkenne, wie diese Forderung sich geltend macht, und habe es auch in meinem Aussatze überReformen (Aprilheft v. I.) ausgesprochen. Aber lassen Sie uns aufrichtig sein. Meinen Sie, daß je Rabbiner und Rabbinerversammlungen diesem Verlangen werden können Genüge leisten? Sie sprechen von einer zeitgemäßen Umgestaltung des Judenthums, erkennen aber an, „daß der geoffenbarte Wille Gottes die unabweichbare Norm für Reformversuche sei" (S. 21); stehen also auf dem Standpunkte der Offenbarung. Ob dieses zeitgemäß sei, ob Sie nicht schon hier mit der „veränderten Denkuttd Anschauungsweise" in Widerspruch gerathen, will ich hier nicht urgiren; Sie werden mir mit Recht antworten, wer die Offenbarung von * Herr vx. Salomo» in Hamburg hat ebenfalls eine Schrift zur Bertheidigung der ersten Rabbinerverfammlung verfaßt,, und auch meine Einwendungen zu widerlege» versucht. Durch Obiges dürfte» seine Einwürfe ziemlich entkräftet sein.