Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 166 (sequence 8)
- Language
- German
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1HH «Pchreiben an dt» Hrn- Kirchenrath vr. Mmer in Stuttgartwäre zu weitläufig, hier auf die ferneren Jrrthümer in dieser Ihrer Darstellung des Judenthums einzugehen; doch sei Ihnen gesagt , daß selbst die Civiljurisdiction, der man eine geistige Fortbildung im talmudischen Rechte nicht absprechen kann, nur weil sie ein dringendes Bedürfniß war und die römischen Proconsulen und Proprätoren ein Recht sprachen, über welches jeder Freund der Gerechtigkeit erschrickt, beibehalten wurde. Als daher zur Zeit Hadrians den Juden ihre eigene Ju-. risdiction untersagt wurde, freute sich sogar ein Rabbi dieser Pflicht überhoben zu sein. So jer. Syuhedrin 2a. 19b.: w lyi w: mp B'on «siVj «5arrvy»i3 ‘»ajn na» rfffwao w ‘Aa'v Welche fernere Bewandniß es überhaupt mit der Civiljurisdiction hatte, und wie man sich an sie mit Recht der feindlichen äußern Jurisdiction gegenüber hielt übergehe ich hier, wo ich blos mit Ihrer Auffassung, und wie weit Sie ' auf daö Judenthum eingehen, eözu thun haben will. Nur sei Ihnen bemerkt, daß eine gerechte Nemesis waltet, die eine strenge Wiedervergeltung übt. Sie haben sich S. 36 eines Ausdruckes von „Wiederkauen ff." bedient, wie er wohl in den imis subselliis üblich sein mag. Suchen Sie auch dort ein entsprechendes Epithet für Ihre Bemerkung über „ambulante Theokratie" (S. 7): Sie haben weder den Begriff Theokratie, in wie fern er auf die mosaische Gesetzgebung anwendbar sei, aufgefaßt, noch haben Sie das talmudische Judenthum zu ihr in ein richtiges Verhaltniß zu bringen gewußt. Was Sie nun weiter über Mischna, Gemara und Schulchan Aruch erzählen, ist, wie schon osten erwähnt, Gelehrsamkeit, die nicht auf jüdischem sondern auf fremden Boden im vorigen Jahrhundert gewachsen. Was aber Bibelkenntniß anbelangt, so muß zu großem Bedauern gestanden werden, daß Sie hier eine Blöße gegeben, die höchstens Ihrem überellten Eifer und dem Wunsche, den Gegner sei es wie immer niederzuschlagen, zu Gute gehalten werden kann. S. 42 sprechen Sie von gemischten Ehen, meinen, daß die Rigorosität erst von Esra eingeführt wurde, und sagen: „(Esra) wird aber, irren wir nicht, von dem Propheten Maleachi, seinem Zeitgenoffen, Ln den Worten (Maleachi 2, 13—16) „Und das Zweiter ihr bedeckt den „Altar mit Thränen, Weinen und Seufzen, und fraget: Mit was? Der „Herr ist Zeuge zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend, die du treu- „los verstoffest, da sie doch deine Genossin, das Weibcheiner Jugend ist. „Ich hasse das Fortschicken, spricht der Herr, Gott Israels u. s. w."" „hart getadelt." Run scheint es zwar schon etwas auffallend, daß, da die zurückkehrenden Häupter (Serubabel, Esra, Nehemia) und die Propheten einander unterstützten, Maleachi der Prophet in einer Rede gegen eine religiöse Verordnung des Esra ausgetreten sei. Doch