Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 5 (Mai 1845)
- Date
- 1845-05-01
- Page
- Seite 162 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Schreiben an den Hrn. Kirchemath vr. Maier in Stuttgart. sichten eingehen. Diese enthalten aber auch viele Jrrthümer und konnten, da'sie von Ihnen herrühren, einem Manne, der-noch nicht Veranlassung zu der Vermuthung gegeben, daß es ihm nur auf Trug und äußeres Blendwerk abgesehen sei, Anlaß zu neuen Jrrthümern werden; und darum ist es zweitens eine gebieterische Pflicht, Ihnen entgegenzutreten. Ohne Haß, ohne Heftigkeit, ohne Zorn, der nur durch die freche Lüge und die absichtliche Denunciation in mir erregt wird; über Beleidigungen bin ich weg, halte nicht dafür, daß das Publikum unserm lieben Ich seine Aufmerksamkeit zu zollen schuldig sei; haben überhaupt Wahrheit und Wissenschaft, und hier, wo es sich um Heiliges handelt, der Glaube, ihr hohes Recht, daß vor ihnen unsere Persönlichkeit zurücktrete. Sie sprechen Behauptungen über Judenthum und Reformen aus, die den Standpunkt der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung angeben sollen, und wie diese überhaupt in ihrem Rechte war; und widerlege« sowohl meine Ansicht über Reform wie meine Einwürfe gegen diese Rabbiner-Versammlung. Schon die Courtoiste (Sie sehen wie ich die Dehors zu beobachten gesonnen bin) verlang^ daß ich erst Ihre Meinungen beleuchte, und dann zu der Frage über Reformen übergehe. Das rabbinische Jvdenthum ist Ihnen (S. 4 ff.) nichts als „ein Conglomerat von Erschwerungen, wo die äußere Religiösttät die Hauptsache ist, und wobei noch überdieß au eine Ausscheidung des bürgerlichen von dem religiösen Elemente nicht gedacht wurde, man sogar nach Untergang des Tempels die Theokratie ambulant zu machen suchte." Ehe ich darauf erwidere, eine kleine Bemerkung. Es gehört nun einmal, wie Sie auch Dünkel und Bornehmthuerei darin erblicken mögen, Wissenschaft und tiefes Durchdenken, Erforschen seines Gegenstandes mit zum Reformatoren; ist sogar eine Hauptbedingung. Die oberflächliche Darstellung des rabbinischen Judenthums, wie sie in dem Munde christlicher Theologen des achtzehnten Jahrhunderts gefunden wurde (denn die des jetzigen Jahrhunderts fassen schon das Judenthum tiefer auf), spricht gerade nicht davon, daß man sich die Mühe genommen den Gegenstand genauer zu. erfassen und man selbstständig denke. Wen vermeinen Sie auf solche Weise zu überzeugen? Wenn ich auch.geschwiegen, gibt es" nicht noch genug Denker in Israel, die über Ihre Darstellung stutzen und sie nach ihrem wahren Werthe würdigen werden? Sie erzähle» uns (S. 4) „daß bald nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft der Buchstabe zur unumschränkte« Herrschaft gelangte, wodurch' die Religiosität bald genug zur Werkheikigkeit herabsank," Daß aus dieser Werkheiligkeit die große Maccabäerepoche hervorging, kann freilich Ihrer Behauptung keinen Eintrag thun; denn Ihnen muß die Aufopfe-