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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-04-01 · 4 (April 1845) · p. Seite 157

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
4 (April 1845)
Date
1845-04-01
Page
Seite 157 (sequence 39)
Language
German
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Allgemeine theologische Bibliographie. 157 gen, mit leibhaften Augen schaue und an seinen Thaten sich erbaue oder davon-begeistert werde. — Unser Ostrazismus geht leider so weit, daß wir nicht nur unsere großen Männer bei Lebzeiten nicht genugsam achten, sondern es auch verabsäumen, ihnen nach ihrem Heimgange würdige Denkmäler im Volksleben zu setzen. So gebricht es noch an geeigneten Biographieen der vorzüglicheren Männer, welche die Hauptwendepunkte in der Geschichte der Auffassung und Darstellung der Lehren des Judenthums bezeichnen, eines R. Jehuda hanassi, Saadia's, Maimonides, Nachmanides, Jakob ben Ascher (als Vers. derTurim von folgenreicher Wichtigkeit), Abarbanel, Mendelssohn und Anderer, worin nicht blos über ihre literarischen Erzeugnisse berichtet, sondern vielmehr ihr ganzes inneres und äußeres Leben, natürlich mit tief eindringender Charakteristik des Geistes und der Tendenzen ihrer Schriften verbunden, lebendig dargestellt würde. Um so erfreulicher war es uns, in dem vorliegenden Merkchen das Bestreben eines jungen Mannes wahrzunehmen, das fruchtreiche Leben und Wirken eines der ausgezeichnetsten Männer, welche im vorigen Jahrhunderte im religiösen und socialen Interesse des Judenthums aufs Gedeihlichste wirkten, des gefeierten Naphthali Hartwig Wessely, für das größere Publikum darzustellen. — Der älteren, jetzt leider größtentheils schon hinübergegangenen Generation träufelten die Worte Wesselns, seine Poesieen und sinnigen eregetischen Auslegungen gleichsam wie Thau von den Lippen; mit ihm und durch ihn war sie erzogen und gebildet worden. Dem aufblühenden Geschlechte sind seine Schriften dagegen meist unbekannt. Das löte Jahrhundert, früher so hochgepriesen, hat das eigene Geschick, von der Einseitigkeit beider entgegengesetzten Parteien geschmäht zu werden und seine eminente Wichtigkeit nicht mehr gründlich genug beachtet zu sehen. Man mag aber sagen, was man will, es bleibt immer noch die Schule, wo wir zu lernen haben. Der Boden würde unter unseren Füßen wanken, wollten wir jene große Zeit ignoriren. Gehören wir darum nicht zu denen, „welche nichts gelernt und nichts vergessen haben", und verhehlen uns nicht die großen Fortschritte, welche wir jener Periode zu verdanken haben, wie viele bessere Elemente seitdem im Judenthume, namentlich im Jugendunterrichte, Wurzel schlugen und zur Reife gediehen. Und da war Wessely einer der thätigsten Arbeiter, welche die Vorsehung berufen hatte in den Garten Gottes, ihn zu säubern von Dornen und Disteln! Der Vers, gibt nun zwar keine streng-kritische Beurtheilung der Werke W.'s, welches eine viel umfassende Arbeit gewesen wäre, wohl aber eine ziemlich gelungene und — man sieht es —- mit Liebe abgefaßte Darstellung der Hauptmomente seines Lebens, so daß man ein deutliches Bild vom Charakter des Mannes erhält und jüngere Leser besonders zum Studium seiner

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