Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 150 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2744856-2744869-2744874--0569-2745517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
150 Bericht über Synagoge und Schule. auch für deren Aufblühen und Gedeihen nicht begeistert; — andern Theils aber Männer, die nicht den Kampf der Zeit in sich aufgenommen, und für deren Wehen und Geburten nicht Augen genug haben, um die Ecken und Harten des Unschönen ganz nach ihren, die Kinder unserer Zeit zurückstoßenden Elementen zu durchschauen. Auch von dieser Seite kann also selbst bei dem besten Willen die kräftige Ausbildung der Institute und deren Gedeihen nicht zu einem erwünschten Resultate gebracht werden. Noch eine Persönlichkeit ist es, deren Grundsätze aber Handlungsweise der Ausbildung und Entwickelung unserer Gemeindeverhältnisse hemmend in den Weg treten. Es ist die unseres geistlichen Beamten. Derselbe scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, vor Allem den Frieden in der Gemeinde zu erhalten, den Frieden um jeden Preis. Er ist daher ängstlich, irgend eine Verbesserung einzuführen, die nur durch Veränderungen erzielt werden kann, welche an alte Gewohnheiten, Vorurtheile, Schwächen rc. stoßen; denn dieser Anstoß kann zum Kampfe führen. In einer Zeit des Friedens und der Ruhe, da mögen die Schwerter in den Scheiden rosten, da mag jeder Bürger sich des Friedens seines stillen häuslichen Glückes freuen und Alles aufbieten, dieses Glück sich durch Frieden zu sichern. In der Zeit der Noch aber und des Krieges, da schleift der gute Bürger sein Schwert und ziehet hinaus Ln den Kampf für seine Brüder, seine Söhne und Töchter. Der Beste Lst's, der voranschreitet, allen Andern ein Beispiel, den Schwachen und Feigen ein Muster. Diesen Much vermissen wir schmerzlich bei unserem geistlichen Beamten; er hat in tiefer Stille den schweren, ernsten, heißen Kampf der Zeit an sich vorüber gehen lassen, hat Stein nach Stein morsch werden und fallen gesehen, und hat in keiner Weise versucht, den Einsturz aufzuhalten oder auch nur ein winziges Steinchen vom Falle zu retten. Während die Guten und Frommen von allen Seiten herbeieilen, um es zu stützen und auszubessern, zu retten und zu erhalten, hat er gleichgültig dem großen Brande zugesehen, der Haus und Hof, Hab' und Gut zu vernichten droht. Er hat während eines 25jährigen Aufenthaltes in unserer Gemeinde auch nicht eine einzige Anstalt, sei es die geringfügigste, zum allgemeinen Nutzen und Frommen errichtet, oder nur bei ihrer Errichtung mitgewirkt. Daß es an Mitteln, an Willen, an Unterstützung in unserer Gemeinde nicht fehlt, wird jeder eingestehen, der nur einen Blick hineinwirft. Gehen doch alljährlich Summen aus unserer Stadt für weit, weit entfernte Anstalten, für deren Erhaltung bei dem größten Theile unserer Juden kein Interesse vorherrscht, versagt doch keiner dem dafür begeisterten fremden Manne seinen Beitrag; und dem Manne, der an der Spitze unserer Gemeinde steht, sollten die Mittel versagt werden, in unserer Mitte solche Anstalten zu errichten, deren Bedürfniß jeder fühlt, deren Mangel zur größten Sorge unserer Familienväter geworden? — Unse-