Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 149 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über. Synagoge und Schule. 149 Würde zur Dmalificirung für das Vorsteheramt in einer so großen Gemeinde nichts als ein in bürgerlicher Beziehung moralischer Charakter nöthig sein, so dürsten wir uns rühmen seit einer Reihe von Jahren in der That die Besten an der Spitze der Verwaltung gesehen zu haben. Nicht genug ist es lobend anzuerkennen, mit welcher Aufopferung an Zeit und Mühe sich unsere Vorsteher der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten hingeben, mit welcher Ordnung und scrupulösen Rechtlichkeit namentlich der financielle Theil von ihnen behandelt wird. Das ist zwar wichtig, ist sehr viel, aber lange nicht Alles, was wir heute von einem Vorsteher verlangen, verlangen müssen. Im Allgemeinen sind die Reichen, denen Freude und Genüsse so leicht zu Gebote stehen, denen kein materieller Druck des Lebens ernste Seiten zeigt, die an Entbehrungen und Entsagungen überhaupt nicht gewohnt sind, dadurch auch in religiöser Beziehung größtenteils die Lauesten. Sie, auf der Höhe der Gesellschaft stehend, sind am meisten der Gefahr ausgesetzt, von dem allgemein herrschenden Geiste der Zeit ergriffen und mit fortgerissen zu werden. Dieser Geist der Zeit ist nun einmal in Deutschland im Allgemeinen in religiöser Beziehung ein indifferenter, und dieser Jndifferentismus wuchert am meisten unter den Reichen. In unserer Handelsstadt nun zumal findet er an dem Materialismus einen mächtigen Verbündeten und bildet einen starken Feind jedes ernsten, tiefen, geistigen, religiösen Strebens. Ein zweiter Mangel bei unseren Reichen ist wohl mehr ein localer. Der heutige Reichthum in unserer Gemeinde ist ein ganz junger. Die alten Reichen sind nicht mehr, und als ob der Himmel ihrem Vermögen den bleibenden Segen versagen wollte, es verschwand mit ihnen; die zweite, dritte Generation ist theils in ihren Verhältnissen herabgekommen, theils ausgewandert, oder das Vermögen wurde so zersplittert, daß es als solches förmlich untergegangen ist. Nur sehr wenige Familien könnten wir nennen, auf die der Reichthum sich seit mehreren Decennien vererbt und von ihnen erhalten worden Ware. Was folgt daraus? Daß der bei weitem größte Theil unserer Reichen aus Parvenüs besteht, die selbst oder deren Eltern früher in Armuth gelebt und daher nicht die Mittel oder die Einsicht gehabt haben, ihren Geist auszubilden. Es sind daher in unserer Gemeinde die Reichen auch nicht die Intelligentesten. Betrachten wir nun das aus dieser Classe gewählte Vorsteher-Collegium, so finden wir eines Theils Männer darunter, die sich aus dem Judenthume hinausgelebt, das ihnen, in seiner praktischen Anwendung, ganz abhanden gekommen ist, Männer, denen es während des ganzen Jahres nicht ein einziges Mal einfällt, auch nicht an hohen und höchsten Festtagen, das Gotteshaus zu besuchen. Sie stehen in keiner Berührung mit dem Gotteshause, noch mit den anderen jüdischen Anstalten, sind mit deren Vorzügen und Mängeln nicht bekannt, und daher