Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 147 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2744856-2744869-2744874--0566-2745514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tagesbegebenheiten. 147 [am versuchte Convertirung zweier Judenmädchen einiges Aufsehen. Das Ganze ist ein Stück-aus dem Drama „der ewige Jude": man bedient sich einer Fuhrmannsfrau, um die armen unwissenden Geschöpfe zu verlocken, sperrt sie in ein Kloster, wo sie festgehalten und trotz ihres Jammerns nicht entlassen werden, bis die Polizei sich ins Mittel legte. Es trifft fast Stück für Stück mit dem von der Meisterhand Sue's entworfenen Gemälde überein: und ist in so kurzer Zeit die Wirklichkeit der Phantasie des Dichters nachgekommen! Es fehlt noch mancher Ausschluß, den ein CorrespondenL der Deutschen Allg. Zeitung zu geben verspricht, und werden wir ihn zur Zeit nachtragen, — Sehr unangenehm berührt bei dem Fortschreiten des -Volksgeistes in Preußen das Verhalten der Großherz. Badenschen zweiten Kammer, die über die Petition der Juden um völlige Gleichstellung zur Tagesordnung überging. Vergebens erhoben sich Welcker, Bader, Math u. A. für die Gerechtigkeit der Forderung: der von Paulus und Rotteck ausgestreute unselige Saame wuchert noch fort. Mögen die Juden Badens sich mit dem schönen Zeugnisse, das der verstorbene Minister Winter für sie ablegte, trösten und in ihren Bemühungen nicht ermüden. — Die Mittheilung des Frankfurter Journals über eine Schwache des biedern Diesterweg's, der erst das Gesuch um Gleichstellung der Juden Unterzeichnete und dann seine Unterschrift, weil er mit einem hohen Staatsbeamten sich besprochen, zurückverlangte, wollen wir als ein Gerücht, vielleicht von den Feinden des trefflichen Mannes in Umlauf gesetzt, bezeichnen. -— Ebenso wollen wir uns auch heute jedes Unheiles über den neuerlichen russischen Ukas enthalten, der die Kahals aufhebt und die Gemeinden unter das Gouvernement stellt. Die Absicht mag zwar gut sein, der Erfolg wird schwerlich Ersprießliches zeigen.