Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 146 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Tagesbegebenhelten. erhalten hat. Denn wenn das Judenthum sich durch Auszeichnnug seinerBekenner geehrt fühlt, so genügt ihm nicht ein eitles Prunken mit einem Individuum, das als Jude geboren wurde und den Namen noch nicht abgewaschen hat, sondern es ist der gerechte Stolz, daß dieses Individuum im Judenthume feste Wurzel gefaßt, in ihm großgezogen und aus ihm sich herausgebildet habe, daß es ganz Jude ist und von der VortrefflichkeiL des Judenthums und welche Männer es hervorbringe, Zeugniß ablege. In diesem Sinne führen wir auch aus Deutschland eine einem Juden widerfahrene Auszeichnung an. Der preußische Artilleriehauptmann Burg, ein Jude, hat die große goldene Medaille für Wissenschaft bei Herausgabe eines. Werkes erhalten. Burg ist der einzige jüdische Hauptmann in der preußischen Armee; auch soll diese Medaille selten verliehen werden, und Burg der sechsundzwanzigste sein, der sie seit dem Regierungsantritte des jetzigen Königs erhalten hat. Doch würde dieses das Judenthum nioch wenig berühren. Burg hat ferner allen Versuchen siegreich widerstanden; doch liegt auch hierin noch nicht das größte Verdienst. Der charaktervolle Mann spielt nicht mit seinem Bekenntnisse, gibt es nicht für Vortheil und Auszeichnung hin: er hat Gesinnung, und wie verächtlich müßte er durch solchen Schritt sich und Anderen werden! Aber wessen das Judenthum sich in Burg freuet, das ist seiner tiefen gemächlichen Frömmigkeit, seines inneren Festhaltens an dem Glauben der Väter, der gewonnenen Ueberzeugung, die der treffliche Mann nicht anstehet allenthalben auszusprechen, der nicht auf Convenienz und Geburt, sondern auf die ausdauerndste Liebe gegründeten Anhänglichkeit: ein solcher Mann gehört wahrhaft dem Judenthume und den Juden an. Wir kommen nun auch zu mancher Schattenseite, die aber, da sie aus dem Gegensätze des konfessionellen hervorgegangeu, weniger schmerzhaft berührt. Im Churfürstenthum Hessen hat sich ein Verein zur Bekehrung der Juden gebildet, und steht ein Oberappellationsrath an der Spitze. Da in Hessen die Juden völlig emancipirt sind und also auf staatlichem Wege keine Vortheile geboten werden, sich aber doch schon auf Erden bekunden soll, „Göttlichkeit ist ein großer Gewinn", so werden jedem (oder für jeden) Proselyten hundert Thaler geboten. Wir appelliren an den Präsidenten des Vereins, ob solcher Tauschhandel denn rechtlich gestattet sei, ob hier nicht noch mehr als ein do1ii8 bonus mit unterlaufe, da man auf Kosten der Gewissensruhe durch das schnöde xretinm Geld die Kirche zu bereichern sucht. Nach unserem Dafürhalten muß selbst das Christenthum wenig Dank dem Vereine wissen. — In Posen machte in letzterer Zeit die gewalt-