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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-04-01 · 4 (April 1845) · p. Seite 142

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
4 (April 1845)
Date
1845-04-01
Page
Seite 142 (sequence 24)
Language
German
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143 Anforderungen des Glaubens ic. man ohne dieselbe entweder den Buchstaben der Schrift strict genommen, und somit der rechtenDeut'ung,sowiederFähigkeitderAnwendbarkeitderselben für alle Zeiten Eintrag gethan (Sadducäismus), oder dem Geiste der Auileger aller Zeiten die Herrschaft über den Buchstaben eingeräumt hätte, so daß jedes Zeitalter seinen Geist in das Gesetz hineinlegte; denn es ist bekannt, daß der Leser meist seinen Geist in dem Autor zu finden wähnt, und statt daß die h. Schrift beherrschende Norm für alle Zeiten sein sollte, würde sie ein Gewand aller erdenklichen Theorien geworden sein. Es muß daher eine traditionelle Erklärung der h. Schrift und Feststellung der Ausführungsart ihrer Gebote angenommen werden, welcher gleiche Geltung mit der Schrift zukommt. Diese Tradition haben uns die Rabbinen im Talmud aufbewahrt, und sind wir, wenn von einer zuverlässigen Tradition die Rede sein soll, verpflichtet, ihnen Glauben zu schenken. Fragen wir aber: was ist im Talmud als Tradition zu betrachten? so ist die Antwort: Alles, was sich als Auslegung und Erklärung des schriftlichen Gesetzes darin vorfindet, insoweit kein apodiktischer Beweis gegen Hessen traditionellen Charakter vorliegt. Dafür hat uns Maimonides das Kriterium gegeben, daß Alles, worüber unter den Rabbinen Streit obwaltet, nicht Tradition sein kann. Nun ist es aber Prinzip des Talmud, die traditionellen Halachoth, wo möglich, auf die Schrift zu begründen, und nur diejenigen, für welche solche Begründung sich nicht findet, als »Sn hinzustellen. Wir dürfen daher um so weniger ihre Entlehnung aus der Schrift als Erzeugerin derselben betrachten, und den Streit über die Ableitung der Objecte, so lange kein Streit über das Object selbst ist, nicht als Kriterium des nicht traditionellen Charakters annehmen, wenn es im Talmud als anerkannt wird, da die Halachoth früher in Prari waren, als ihre Ableitung aus der Schrift versucht wurde, und der Talmud oft sogar das Klarste auch noch auf weitläufigere und künstlichere Weise abzuleiten liebt. Als auffallendes Beispiel einer solchen Deduktion diene Rosch haschanah 2d und 3 s, eine weitläufige Ableitung, daß Ahron vor dem Kriege gegen Sichon gestorben sei, während es Num. 21 mit deutlichen Worten erzählt wird. Obgleich nun der Talmud Alles, was nicht ausdrücklich in der Schrift sich findet, tmsnö ■’ia'ra nennt, so soll dieß nur die Tradition im Gegensatz zu anaaiö irrm ausdrücken, aber nicht ihrer Geltung Eintrag thun, wie z. B. der Talmud SMkvckr. 88 b die BestimMUngen über Thephillin und Zizith u. s. w. vi nennt, obgleich sie sonst als aaSr» angeführt werden. (Fortsetzung folgt.)

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