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Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums · 1845-04-01 · 4 (April 1845) · p. Seite 140

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Journal
Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
Volume
2 (1845)
Issue
4 (April 1845)
Date
1845-04-01
Page
Seite 140 (sequence 22)
Language
German
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140 Anforderungen des Glaubens k. Diese Art des Streites, in welchem überdies mancher Kämpfer auf der Partei des Fortschrittes es nicht verschmähet, den Sieg durch künstliche Manöver zu erschleichen oder durch öffentliche Anklage des bestehenden rabbinischen Judenthums zu forciren, so wie die große Divergenz vieler Männer des Fortschrittes von den zur Zeit als Norm geltenden Prinzipien des positiven Judenthums, haben natürlich das Mißtrauen der Gemeinden gegen ihre Rabbiner überhaupt zur Folge. So sehr nun die Gemeinden in ihrem dunkeln Gefühle von Rechtgläubigkeit dieses Mißtrauen oft übertreiben, eben so ungerecht sind die Klagen derjenigen Rabbiner, welche trotz ihrer trocknen Protestation gegen das „überlästige Zerimonialgesetz", trotz ihrer rationellen Auffassung der Göttlichkeit der biblischen Gesetze, trotz ihrer unzweideutigen Wünsche, dieselben, insoweit sie mit den Religionsansichten oder mit dem ästhetischen Gefühle der Gebildeten nicht übereinstimmen, oder zu schwierig auszuführen sind, zu modificiren respective aufzuheben, dennoch von den Orthodoxen volles Vertrauen beanspruchen. Wögen auch diese Rabbiner, was wir nicht bezweifeln, nach ihrer innersten Ueberzeugung und in der redlichsten Absicht sprechen, so müssen sie doch gestehen, daß das Volk um so strenger in seinen Forderungen und argwöhnischer gegen sie sein muß, da es im Vertrauen auf sie sich nicht in gewohnten Gleisen fortleiten lassen, sondern diese zum Theil verlassend in neue Bahnen der Religionsanstcht und Uebung treten soll; daß diejenigen, welche nicht mit den Gesinnungen ihrer Rabbiner sich befreunden können, nicht genug Garantie für ihre religiöse Praxis zu haben glauben. Es handelt sich nun darum, die gerechten Forderungen des Volkes zu begründen und die übertriebenen abzuweisen, und in dieser Absicht versuchen wir nach dem orthodoxen Judenthum die Anforderungen des Glaubens und der theologischen Wissenschaft, auf deren Erfüllung das Vertrauen beruht, aus einander zu setzen und daran unsere Ansicht über die Befugniß und die Begrenzung des Rechtes, zu reformiren, zu knüpfen. Die erste Anforderung des orthodoxen Judenthums (wir verstehen darunter den sich bewußten, auf Prinzipien beruhenden positiven Glauben, nicht zu verwechseln mit Pietismus und phantastischer Bigotterie) ist ,der Glaube an die Göttlichkeit und Unabänderlichkeit der in den Büchern Mosts enthaltenen Lehren und Gesetze, mit Ausnahme derer, die nach den Grundregeln der Tradition als veränderlich bezeichnet sind (pNa rwftm ms»), und der Gestattung einer zeitweiligen Aufhebung einesGebotes, wenn die Erhaltung des Ganzen es erheischt (rcsia wm). Doch müssen wir hier dem Mißverstände und der Begriffsverwirrung vorbeugend die Bedeutung dieses Ausdruckes w'n bestimmen. Der Oberrabbiner Chotin sucht nämlich in seinem „Gutachten über die Verträg-

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