Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 137 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Die politische Legitimität »c. Urahnen her sei. Hier steht in seiner ganzen Blöße der Begriff der Legitimität, wie er von einem hochgefeierten französischen Staatsmanne zur Befestigung des Bestehenden, des Besitzes, des Ackerbau- oder Kain- Prinzips in neuester Zeit sanctionirt worden ist. Hiernach aber ist auch die Beurtheilung der politischen Messiasidee gegeben, die, wie sie sich im nach-davidischen Zeitalter aus- und fortgebildet hat, eine Vermischung darbietet von einem wesentlichenTheile der Offenbarung—der einstigen sittlichen Vollendung des Menschengeschlechts in einem einzigen gottähnlichen hohen Menscheneremplar *); und anderseits von dem unsittlich-heidnischen legalen Erbrechte, mit der verwerflichen Vorstellung einer Unterwerfung des Geistigen im Menschen unter das Gesetz der Fructification, das nur bis zum Menschen in dem Pflanzen- und Thierreiche herrscht. Der große Protest gegen die angestammte Knechtschaft, das feierliche Manifest und die frohe göttliche Botschaft an das arme geknechtete Menschengeschlecht, daß wir alle in seinem Ebenbilde, d. h. frei geschaffene Geister und von physischer Gesetzmäßigkeit entbunden sind: dieser erhabene Protest gegen die Knechtschaft *) Dem aber Jedermann nachstreben und es erreichen kann; denn die Persönlichkeit des Messias hat nichts Übernatürliches, ist nicht von Gott gezeugt und als Vermittlerin hingestellt, sondern es hat der Messias diese Vollkommenheiten durch eigenes Streben unter dem Beistände Gottes erlangt und auf diesem Wege soll ihm Jedermann nachwandeln. Und er soll geebnet werden dadurch, daß äußerer Druck und 'Religionshaß und störende Einwirkung der Verhältnisse aufhören: dieses ist bte Zeit des Messias (Maimon. 1. I.), das Individuum selbst muß aber auch dann noch weiter an seiner Vervollkommnung arbeiten. — So wie nun Gott Gefallen hatte an Israel wegen seiner Urahnen (und der Herr Verf. erblickt doch hier nicht das unsittlich-heidnische legale Erbrecht, sonst hatte er zu der vordavid. Zeit schon hinaufsteigen müssen) und dasselbe zum Träger seines Namens machte, von dem die Erkenntniß sich weiter verbreiten soll, so soll auch ein Mann aus dem Hause Davids, da der Herr an diesem Wohlgefallen gefunden, als ein nicht unerreichbares Vorbild eine bessere Zeit (und auf diese ist doch, wie erwähnt, die eigentliche Verheißung und die Sehnsucht gerichtet, und verschwindet vor ihr die Individualität des Messias) herbeiführen. Wenn übrigens der Herr Verf. hier eine Grenze zwischen dem vor- und nachdavid. Zeitalter ziehet, so dürfte er uns den Beweis schuldig bleiben, wo denn in der vordavid. Zeit die Messiasidee ausgedrückt ist. Der Herr Verf. ist einerseits zu selbstständig, um sie, wie mancher christlichen Theologen Nachbetende, Deuteron. 18, 18 finden zu wollen, und anderseits würde dieses auch seinem Prinzips geradezu widersprechen. Es erscheint uns daher etwas befremdend, daß, da die vordavid. Offenbarung des Messias nicht in der Weise des Herrn Verf. Erwähnung thut, die Propheten aber etwas ganz Anderes aussagen, hier eine „Messiasidee nach der Offenbarungslehre" zu finden, die, wie trefflich sie auch vom Verf. dargestellt ist, doch nicht mit der Offenbarung in realer Beziehung stehet. F. Frankel, Zeitschrift II. H