Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Journal
- Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums
- Volume
- 2 (1845)
- Issue
- 4 (April 1845)
- Date
- 1845-04-01
- Page
- Seite 135 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die politische Legitimität rc. 135 wird es unter die Obhut eines geistigen Wächters gestellt, der die Verletzung des Eigenthumes nicht duldet, sie bestrafen läßt, und auch da noch bestraft, wo die Handhabung des Vertrages durch menschliches Richteramt nicht möglich ist, wo die Uebertretung diesen sterblichen Richtern geheim blieb. Es tritt nunmehr zwischen dem unsichtbaren Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde, der seine Erde dem Menschen zur Wohnung in ganz allgemeiner Weise angewiesen, und dem Ackerbauer eine göttliche Mittelsperson ein, ein Gott, der nicht Schöpfer, nicht allmächtig, nicht von Ewigkeit her ist, sondern der Sohn der unendlichen, ihre eignen Kinder verschlingenden Zeit, der Sohn des Kronos, Zeus, Jupiter, der Rächer und Schützer der Grenze und des Besitzes (Zti$ fyxiog) und der durch Eidschwur bekräftigten Verträge (opxiog). Daraus erklärt nun Kant, wie es in der Bibel heißen könne, daß Gott Abel's Opfer mit Wohlgefallen ausgenommen, aber Kain's verworfen habe. Denn der Ackerbauer hat zwischen sich und dem ewigen Gotte noch andere Gottheiten, gewissermaßen Mittelsgötter, verehrt. Der Hirt aber erkennt nichts über sich, als den Höchsten. Die Person Abel's, des. Nomaden, stellt nun das Wesen und den Ursprung des israelitischen Stammes dar, und in dieser symbolischen Darstellung liegt gleichzeitig der Ausdruck, daß diesem Stamme ursprünglich der einfache naive Monotheismus eigenthümlich angestammt sei. Abraham und seine Nachkommen bis auf die Eroberung des gelobten Landes waren nomadiflrende Zeltenbewohner, und wie Abraham sich von seinem Vaterhause entfernte, und von Steppe zu Steppe, ohne Besitz, durch Canaan wanderte, wuxde er ein Feind des Polytheismus, und, nachdem er seines Vaters Götzenbilder zerschlagen hatte, lehrte er im Namen des Einzigen, des Schöpfers von Himmel und Erde; während die Ackerbauer, die Besitzer des Landes ringsumher, dem Polytheismus, dem Prinzipe des Brudermörders Kain, ergeben waren und Feldgöttern dienten. Aber eS lag in dem tiefen Plane des Geistes der Geister, dem unstäten Nomadenleben ein Ende zu machen, da nur im ruhigen Besitze Künste und Wissenschaften zu einem gedeihlichen Ziele zu bringen sind; und doch sollte nicht damit dem Wesen einer wahrhaften Erkenntniß Gottes — denn nur durch diese ist die wahrhafte menschliche Sittlichkeit zur endlichen Vollendung hinauszuführen — irgend ein Abbruch geschehen. Es ward daher ein Mmadenvolk, mit seinem monotheistischen Nomadenprinzipe, der Theokratie, in ein Ackerbauvolk verwandelt, das mithin gewissermaßen in einen Widerspruch mit sich selbst gesetzt wurde, einen Widerspruch, der dennoch durchgesetzt werden sollte, und es auch ward. Der dem Ackerbauprinzipe naturgemäße Polytheismus